Fall des Monats Mai 2021

Alarmierungsmeldung am Freitag 19:45 Uhr:

Patient, 89 Jahre, vermutlich luxierte Schulter, Arzt vor Ort.

Situation vor Ort:

NEF und RTW treffen ca. 6 Minuten nach Alarmierung fast zeitgleich an der Einsatzstelle ein (Einfamilienhaus in einer Vorortsiedlung).

Ein ca. 60-jähriger Mann öffnet die Haustür. Er stellt sich als niedergelassener Allgemeinmediziner vor. Der gestürzte Patient sei sein Vater.

Er führt das Rettungsdienstteam ins Wohnzimmer. Hier liegt der 89-jährige Mann in einer Linksseitenlage. Der rechte Oberarm steht in einer deutlichen Anteversionstellung vor dem Körper, der Arm ist im Ellenbogengelenk gebeugt.

Mit seiner linken Hand unterstützt der Patient den rechten Arm im Ellenbogengelenk. Der Sohn des Patienten, der nach dem von der Mutter telefonisch mitgeteilten Sturzereignis sofort zur Wohnung seiner Eltern gefahren war, gibt an, dass er seinen Vater nach dem Sturz in dieser Position – ansprechbar und orientiert – angetroffen habe.

Zur weiteren Anamnese und den Vorerkrankungen gefragt, berichtet der Sohn, dass bei seinem Vater das rechte Hüftgelenk nach posttraumatischer Arthose in einer Streckstellung ankylosiert sei. Eine arterielle Hypertonie sei bei seinem Vater medikamentös zufriedenstellend und stabil eingestellt.

Der situativ und zur Vorgeschichte orientierte Patient gibt an, dass er mit dem Fuß am Bein eines Tisches hängen geblieben und daraufhin gestürzt sei.

Erstbefund:

Nach Aufschneiden der Oberkörperkleidung steht der rechte Oberarm in einer bei ca. 70° antevertierten und fixiert adduzierten Position (das Foto ist nachgestellt). Eine auffällige Deformierung finden sich im Oberarmverlauf nicht. Die Außenrota­tion des re. Oberarms im Schultergelenk ist bei vorsichtiger Prüfung der Schultergelenkspannung aufgehoben,

Es besteht eine Konturprominenz im Bereich der dorsalen Schulterkontur sowie eine Abflachung der anterioren Schul­terregion. Aufgrund dessen ventrales Hervor­treten des Processus coracoideus.

 

 

Bei vorsichtiger Palpation der Schulter kann unterhalb des Acromions eine leichte Einsenkung getastet werden (hinweisend auf eine leere Schulterblattpfanne). Kaudal und dorsal dieser Eindellung kann der Oberarmkopf palpiert werden. Es bestehen auch Schmerzen im Verlauf der proximalen Humerusschafthälfte. Keine Schmerzhaftigkeit im distalen Humerusschaftdrittel und im Ellenbogengelenkbereich.

Bei der Prüfung der peripheren Durchblutung, Motorik und Sensibilität ist der Radialispuls recht kräftig tastbar und auch eine zufriedenstellende Fingerperfusion rechts feststellbar. Die periphere Sensibilität der rechten oberen Extremität ist erhalten. Bei gut ausführbarer Handgelenks- und Fingerstreckung ergeben sich insbesondere keine Hinweise auf eine Nervus radialis-Läsion. Die palpatorische Prüfung der Clavicula-Kontinuität und des Acromionbefundes rechts ist unauffällig.

Kein Anhalt für ein Schädel-Hirn-Trauma. Thorax-  und Abdominalbefund sind unauffällig. Die orientierende Prüfung der unteren Extremität ist ebenfalls ohne pathologischen Befund. Die Schmerzintensität wird vom Patienten mit 8 von 10 auf der visuellen Analogskala angegeben.

Blutdruck 120/80 mmHg, Puls 65/min mit rhythmischer Herzaktion. Sauerstoffsättigung 98%.

 

 

Erstmaßnahmen:

Anlage eines intravenösen Zugangs im Bereich des linken Unterarms und nach Blutzuckerprüfung (170 mg/dl) Infusion einer kristalloiden Trägerlösung.

Zur Analgosedierung erfolgen fraktioniert die Gabe von 30 mg Ketamin und 3 mg Midazolam.

 

 

Arbeitsdiagnose?

 

Weiteres Procedere?

 

Maßnahmen vor Ort?

 

Transportmodus?  Hilfsmittel?

 

 

Dr. Gerrit Müntefering
Arzt für Chirurgie / Unfallchirurgie / Notfallmedizin
Lessingstr. 26
47445 Moers

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