Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen

Alarmierungsmeldung: 3-jähriges Kleinkind mit Atemnot

Anamnese und Situation vor Ort:

Anamnestische Angaben der Eltern: 3-jähriges Kind mit seit drei Tagen bestehender Bronchitis. Vom Kinderarzt mit Schleimlösern und Antibiotika behandelt. Keine weiteren Vorerkrankungen, keine Dauermedikation

Im aktuellen Tagesverlauf allerdings Verschlechterung des Allgemeinzustands des Kleinkinds.

Bei NA-Eintreffen in der Wohnung liegt das Kleinkind mit geschlossenen Augen und Händen über dem Kopf auf dem Sofa. Das Kind ist apathisch und atmet angestrengt.

Erstbefund:

AF ca. 35-40/Min, Pulsoxymetrie mit Kindersensor ergibt eine SaO2 von 95%, HF: 150/Min. Temp. 38,5. Warme, trockene Haut. Auskultatorisch deutliche Rasselgeräusche bds, seitengleich noch ausreichende Belüftung. Kein RR gemessen.

Erstmaßnahmen:

Peripher venöser Zugang im Handbereich angelegt und Gabe von Vollelektrolytlösung, O2-Gabe über Brille,

Anschließend nach Voranmeldung Transport in die Kinderklinik mit NA-Begleitung.

Der Transportverlauf ist unauffällig.

Situation auf der Aufnahmestation der Kinderklinik:

Das Kleinkind wird auf der Trage zum Anmeldungsraum der Kinderklinik gefahren. Zu diesem Zeitpunkt ist das Kind klinisch in Ordnung von der EKG-Defi-Einheit Fehlalarme wegen intermittierender hoher Herzfrequenz. Daraufhin Anmeldung des Kleinkinds bei der Schreibkraft, noch keine Übergabe an die diensthabende Pädiaterin.

Während der Anmeldung kommt eine Schwester am Kind vorbei und ruft: „Das Kind ist grau! Sofort in einen Behandlungsraum!“

Zu diesem Zeitpunkt ist der Hautaspekt des Kindes nachvollziehbar grau. Das Kind hat eine Lippenzyanose und keine Atembewegungen mehr.

Ursache?

Sofortmassnahmen?


 

Dr. med. univ. Richard Adler
Facharzt für Anaesthesie
Sürther Hauptstr. 214
50999 Köln

Dr.Richard.Adler@web.de

3 thoughts on “Fall des Monats Januar 2026

  1. Als Sofortmaßnahmen würde ich Sofortmaßnahmen bei akuter Atemnot bzw Reanimation durchführen – Kind im Raum mit 100% O2 versehen, Atemwege soweit möglich frei machen und falls es weiterhin nicht atmet Maskenbeatmung. Parallel dazu Kreislaufmonitoring dran bauen bzw bauen lassen. Und wenn erforderlich Reanimation durchführen.
    Ursache – Asthmaanfall ggf.? Pseudokrupp? Fremdkörperaspiration?

    1. Primäre Maßnahmen Reanimation, Sicherung der Atemwege, Bestmung
      mögliche Ursachsache fulminante Lungenembolie bei Sepsis( septischer Embolus )
      weitere Diagnostik nach Stabilisation UKG, venöse DSA

  2. Auflösung des Januar-Falls 2026:

    Die von Kristina genannte sofortige Maskenbeatmung ist sicherlich das korrekte Vorgehen.

    Das Kind hatte seit mehreren Tagen Bronchitis, die durch die verabreichten Medikamente nur unzureichend behandelt war. Insbesondere der zähe Schleim behinderte die Atmung. Bereits bei Eintreffen zeigte das Kind Anzeichen einer angestrengten Atmung, und eines schweren Krankheitsgefühls. Erkennbar an den Nasenflügeln und den jugulären Einziehungen, sowie der deutlich erhöhten Atemfrequenz. Das Kind war sehr ruhig, beinahe apathisch, hatte die Arme im Liegen über dem Kopf gelegt und ließ die Untersuchung „brav“ über sich ergehen. Nach dem Hagen-Poiseuille Gesetz erhöht sich der Atemwiderstand in den durch Schleimhautschwellung und Schleim verengten Bronchien und damit die Atemarbeit überproportional (vgl. Formel). Die Situation wird durch den erhöhten Sauerstoffbedarf im Rahmen des Fiebers, sowie der Erhöhung des Flusswiderstandes durch erhöhte Atemfrequenz und die damit auftretende turbulente Strömung weiter verschärft. Das Kind erlitt durch die genannten Umstände während der Anmeldung im Krankenhaus eine respiratorische Insuffizienz durch Erschöpfung, und entwickelte daher einen Atemstillstand. Zum Glück konnte dieser rechtzeitig erkannt und mit Masken-Beutel-Beatmung rasch erfolgreich behandelt werden. Ansonsten wäre das Kind in weiterer Folge durch Asphyxie reanimationspflichtig geworden. Es empfiehlt sich daher beim Transport eines Kindes mit schwerer Atemwegserkrankung immer einen Beatmungsbeutel mit Maske und Sauerstoff griffbereit zu haben!

    Dr. med. univ. Richard Adler
    Facharzt für Anästhesie
    Sürther Hauptstr. 214
    50999 Köln
    Dr.Richard.Adler@web.de

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