Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen

Alarmierungsmeldung Montag 08:00 Uhr:

Leblose männliche Person

Situation vor Ort:

Das NEF trifft 10 Minuten nach Alarmierung und 3 Minuten später als der RTW an einem Einfamilienhaus in einem Vorort der Kleinstadt ein. Der Notarzt wird von der RTW-Besatzung über den Exitus letalis eines in der Keller-Sauna liegenden 69-jährigen Manns informiert.

Angaben der Ehefrau (Anruferin):

Die älteren Eheleute haben getrennte Schlafzimmer und seit einiger Zeit auch keine gemeinsamen abendlichen Aktivitäten mehr. Der Mann hatte am Abend angekündigt, noch einen Saunagang im Keller machen zu wollen. Die Ehefrau sei dann schon zu Bett gegangen und habe ruhig durchgeschlafen. Am Morgen habe sie dann ihren Mann leblos auf der Saunabank liegend vorgefunden. Die Saunatür sei geschlossen gewesen, aber war problemlos zu öffnen. Die Sauna habe sich bei korrekter Sicherungsfunktion wohl ordnungsgemäß nach 3 Stunden abgeschaltet.

Die Innentemperatur in der Saunakabine sei zum Zeitpunkt der Auffindesituation nicht erhöht gewesen.

Bei Sichtung der Saunakabine wird der 69-jährige Mann auf der Seite liegend vorgefunden. Im Bereich der aufliegenden Körperpartien sind Totenflecken erkennbar. Eine Leichenstarre ist im Finger-Hand-Bereich und im nicht aufliegenden Arm- und Beinbereich festzustellen. Die Pupillen sind allerdings nicht weit, sondern eng bis mittelweit ohne Seitendifferenz.

Aus dem unteren Mundwinkel ist eine dunkelbraune bis schwarze Sekretlache erkennbar. Dieses dunkelbraune bis schwarze Sekret zeigt sich auch im Bereich beider Nasenlöcher. Eine größere Sekretmenge ist allerdings nicht ausgetreten.

Die weitere Inspektion des Stamms und der Extremitäten und Integuments ergibt keine Auffälligkeiten. Allerdings wird ein CGM-Sensor an der Oberamaussenseite gefunden.  Diese CGM-Systeme (Continous Glucose Monitoring) messen bekannterweise fortlaufend den Gewebszucker im Interstitium. Ein kombiniert anzuwendendes Smartphone oder CGM-Lesegerät ist im Saunabereich nicht zu finden.

Körpertemperatur 32 °.

Die beiden nachfolgend demonstrierten Fotos sind nachgestellt.

Das CGM-Lesegerät ist auch im übrigen Kellerbereich nicht auffindbar. Die Ehefrau kann allerdings Hinweise zum Aufbewahrungsort geben. Gefragt zu den Vorerkrankungen ihres Manns legt die Ehefrau eine aktuelle Medikationsliste vor. Die Ehefrau berichtet über einen insulinpflichtigen Diabetes mellitus, der mit Metformin, Semaglutid, Forxiga und einem langwirksamen morgendlich gegebenen Insulin-Analogon eingestellt ist. Außerdem bestände ein Morbus Parkinson, der mit Pramipexol (Dopamin-Antagonist) eigentlich zufriedenstellend eingestellt war. Bei paroxysmalem Vorhofflimmern mit nur sporadischen Attacken ist eine DOAK-Medikation mit Apixaban eingeleitet worden und die bekannte „Pill in the pocket“-Medikation mit Flecainid. 

Das CGM-Lesegerät wird in der ersten Etage des Hauses im Schlafzimmer des Ehemanns gefunden. Die geschätzte direkte Distanz von Sensor und Lesegerät durch 2 Etagendecken (mit Eisen-Armierungsmatten) beträgt ca. 6 -7 Meter.

Das CGM-Lesegerät zeigt um 24 Uhr einen BZ-Wert von 160 mg/dl an um dann anschließend kontinuierlich bist auf einen BZ-Wert von unter 50 mg/ dl abzufallen. Das in der ersten Etage befindliche CGM-Lesegerät hätte (bei vom Hersteller zugesicherter Reichweite des Lesegeräts von bis 10 Metern in freier Umgebung) zumindest einen Signalverlust-Alarm auslösen müssen. Dieser Alarm wird ausgelöst, wenn diese Funktion eingeschaltet ist und die Verbindung für mehr als 20 Minuten unterbrochen ist.

Die bei unklarer Todesursache hinzugezogene Kriminalpolizei sieht auch nach detaillierter Schilderung des Verlaufs keinen weitergehenden Klärungsbedarf und keine Notwendigkeit für eine Obduktion.

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Dr. med. Gerrit Müntefering
Arzt für Chirurgie / Unfallchirurgie
Lessingstraße 26
47445 Moers

                                                    

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