Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen

Alarmierungsmeldung am Dienstag 22:30 Uhr:

65-jährige Frau mit akuter Wesensveränderung und Unruhe

Situation vor Ort und Anamnese:

Bei Eintreffen des NEF und RTW alarmiert wird das Rettungsteam vom Ehemann der Patientin empfangen und ins Schlafzimmer geführt.

Dort sitzt eine 65-jährige, leicht adipöse Frau im Nachthemd auf dem Bett.  Die Patientin zeigt krampfartige Bewegungen der Extremitäten und Finger. Gefragt nach ihren aktuellen Beschwerden kann die Frau nicht adäquat und verständlich kommunizieren. Es ist eine situative Desorientierung feststellbar. An der Haut der Extremitäten und im Gesicht erkennbare gerötete Flecken (hektische Flecken) bei ansonsten trockenem und warmem Integument. Laut Ehemann seien diese Symptome vor etwa einer Stunde aufgetreten. Gefragt zu Vorerkrankungen seiner Frau berichtet der Ehemann, dass bei seiner Frau eine Depression bekannt sei, die aber mit Antidepressiva (Citalopram, Fluvoxamin) gut eingestellt werden konnte.  Ansonsten keine Vorerkrankungen. Keine weitere Medikation. Keine Allergien bekannt.

Da die depressive Symptomatik im Verlauf der letzten Monate subjektiv regredient gewesen sei, habe seine Frau bei psychischen Wohlbefunden die Antidepressiva vor ca. 3 Wochen ohne Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt abgesetzt. In den letzten Tagen fühlte sie sich allerdings wieder schlechter. Problematisch sei nun gewesen, dass eine lang geplante Familienfeier kurz bevorstand, die auf keinen Fall abgesagt werden sollte.

Die Tabletteneinnahme erfolgte bisher immer durch die Patientin in Eigenregie.

Die 65-jährige Frau kann weiterhin nicht adäquat antworten.

Der Ehemann kennt den Aufbewahrungsort der Medikamente und kann die Medikamentenbox auf Anfrage holen: Nach Sichtung der dort befindlichen Medikamente teilt der Ehemann mit, dass die vor 3 Wochen neu gelieferten Tablettenschachteln kurzfristig geöffnet worden sein müssen. Sowohl in der Citalopram-Schachtel (10 mg) als auch beim Fluvoxamin (100 mg) fehlen 4 Tabletten

Es ergeben sich somit Hinweise, dass die Patientin die antidepressive Medikation im hier nachvollziehbaren Umfang in Eigenregie innerhalb kurzer Zeit wieder eingenommen hat, um durch rasche Aufdosierung ihren Zustand kurzfristig vor der Familienfeier stabilisieren zu können.

 

Erstbefund:

Pupillen mittelweit, lichtreagibel, RR 153/95 mmHg, HF: 95/ min, Atemfrequenz 20/min, Sauerstoffsättigung 100%.

EKG-Ableitung: Sinusrhythmus ohne sonstige Auffälligkeiten

Pupillen mittelweit, lichtreagibel.

Fortbestehende krampfartige Bewegungen der Extremitäten und Finger.

Zur weiteren Abklärung wird eine stationäre Diagnostik in der nahegelegenen Klinik mit neurologischer und psychiatrischer Abteilung empfohlen. Die Frau zeigt diesbezüglich jedoch ein eindeutiges Abwehrverhalten, kann sich aber nicht sinnvoll artikulieren.  

Welche Ursache kommt in Betracht?

Welches Krankheitsbild zeigt die Patientin?

Welche Behandlung wäre sinnvoll?

Dr. med. univ. Richard Adler
Facharzt für Anaesthesie
Sürther Hauptstr. 214
50999 Köln

Dr.Richard.Adler@web.de

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