Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen

AGNNW

Rudolf-Frey-Preis 2018

7. Mai 2018

Der Rudolf-Frey-Preis für Notfallmedizin der DGAI für herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Notfallmedizin geht im Jahre 2018 an Prof. Dr. med. Axel R. Heller vom Universitätsklinikum Dresden.
In seiner Arbeit „Diagnostische Güte von Vorsichtungsverfahren für den Massenanfall von Verletzten“ erforschte Heller Priorisierungsalgorithmen für Rettungsdienstpersonal.
Die Bundesärztekammer empfielt seit 2009 die Vor-Sichtung bereits durch Rettungsdienstpersonal ( https://bit.ly/2rfFQ8R ). In vielen Rettungsdienst-Bereichen wird dies allerdings noch nicht umgesetzt. Hellers Arbeit bietet hier wichtige Orientierung.

Mehr zu Prof. Hellers wissenschaftlicher Arbeit:
https://bit.ly/2risBnR

Mehr zum Rudolf-Frey-Preis:
https://bit.ly/2rfzw26

Fall des Monats Mai 2018

Alarmierungsmeldung:

weibliche Person mit Tablettenintoxikation

Situation vor Ort und ältere Vorgeschichte der Patientin :

Das NEF trifft 3 min nach dem RTW am Einsatzort ein (Einfamilienhaus in Dorfmitte). Die RTW-Besatzung ist gerade im Begriff, eine 38-jährige Frau aus der Wohnung zu führen, die dann aber eine zunehmende Abwehrhaltung gegen den Transfer in den RTW zeigt. Die vor Ort anwesenden Eltern der Patientin werden vom Notarzt zur Vorgeschichte Ihrer Tochter befragt:

Sie berichten, dass ihre Tochter erhebliche Alkoholprobleme habe. Der tägliche Alkoholkonsum betrage zeitweilig bis zu zwölf Flaschen Bier pro Tag. Die Eltern berichten außerdem über depressive Stimmungslagen und über bereits mehrfache Suizidversuche ihrer Tochter in den vergangenen Jahren. Auch ein Drogenkonsum habe vor einigen Jahren therapiert werden müssen, mit nicht eindeutig zu bestätigender Drogenabstinenz in der Folgezeit.

Aktuelle Vorgeschichte :
Die Eltern der 38-jährigen Patientin teilen weiterhin mit, dass ihre Tochter nach einem Vergewaltigungsversuch vor ca. einer Woche erneut erhebliche psychische Probleme entwickelt habe, die auch Anlass zu einer ambulanten Vorstellung in der Ambulanz einer psychiatrischen Klinik gewesen sei. Eine angebotene stationäre Behandlung sei aber von der Patientin abgelehnt worden. Vom  Hausarzt seien der Patientin dann Doxepin-Tabletten (100 Tbl.-Packung ) rezeptiert worden. Vor ca. 20 min haben die Eltern ihre Tochter nun in einem zunehmend somnolenten Bewusstseinszustand vorgefunden. Auf dem Tisch habe die Medikamentenschachtel mit den Doxepin-Tabletten gelegen, wobei rasch erkennbar wurde, dass ettliche Tabletten fehlten. Die Patientin sei gerade im Begriff gewesen, 7 Tabletten zu schlucken. Die Ingestion der Tabletten konnte jedoch gerade noch rechtzeitig durch die Eltern verhindert werden. Daraufhin sofortige Alarmierung des Rettungsdienstes aufgrund des angenommenen Suizidversuches mit Tabletten.

Erstbefund:
Die 38-jährige Patientin muss zunächst mit mäßiger Handanlage der Rettungsassistenten in den RTW gebracht werden. Im RTW ist dann eine rasch zunehmender Somnolenz der Patientin erkennbar, die nun keinen Widerstand mehr gegen die Erstversorgung leistet.

Bei der orientierenden Erstuntersuchung deutlicher Foetor alkoholicus. Blutdruck 100 / 70 mmHg .Puls 144 / Minute. Rhythmische Herzaktion. Pulsoxymetrie: SaO2  93 %

Nach Lagerung der Patientin auf der RTW-Trage ist keine Spontanmotilität der Extremitäten erkennbar. Es finden sich aber noch geringe Reaktionen auf periphere Schmerzreize. Bei Durchsuchung der Wohnung durch die Rettungsassistenten wird die Schachtel mit den Doxepin-Tabletten gesichert. Es fehlen insgesamt 20 Tabletten Doxepin 25 mg. Unter Berücksichtigung der von den Eltern aservierten sieben Tabletten ergibt sich eine maximal eingenommene Tablettendosis von 13 Tabletten (das entspräche einer Dosis von 325 mg Doxepin) . Weitere Tablettenschachteln oder Blister werden nicht gefunden. Über das Ausmaß des heutigen Alkoholgenusses ihrer Tochter kann von den Eltern keine Angabe gemacht werden.

Erstmaßnahmen :
Anlage eines intravenösen Zugangs am Handrücken.
Blutzucker-Stix: 115 mg /dl.
Die 12-Kanal-EKG-Ableitung zeigt eine Sinustachykardie mit schmalen Kammerkomplexen. Frequenz bei 140 – 150 Aktionen / Minute ohne Arrhythmie. ( Die EKG-Ableitung ist leider abhanden gekommen)
Bei der erneuten Vigilanzprüfung zeigen sich nur geringe Reaktion der Patientin auf Schmerzreize (auch bei stärkeren Reizen im Sternumbereich).
Muskeltonus der Patientin nun eher schlaff. Pupillen beidseits „eng“ mit nicht sicherer Lichtreaktion.

Nach telefonischer Kontaktaufnahme mit der Giftnotrufzentrale wird von dieser mitgeteilt, dass eine angenommene Aufnahme von 325 mg Doxepin bei einer ca. 70 kg schweren Patientin noch unterhalb der gefährlichen Dosis läge.  Eine perorale Kohle-Gabe sei nicht erforderlich. Allerdings sei eine zeitnahe Verlaufsbeobachtung im Krankenhaus unbedingt indiziert.

Daraufhin rascher Beginn des RTW-Transports in die nahegelegene Klinik mit freier Intensivbettenkapazität nach telefonischer Voranmeldung.

Während des Transportes Blutdruckwerte um 105/ 60 mmHg, Herzfrequenz bei 130/Min leicht rückläufig. Sauerstoffsättigung bei 91 %.

Weitere Verlauf auf der Intensivstation in der  Klinik:
Nach Eintreffen in der Ambulanz des Krankenhauses wird vom Pflegepersonal  mitgeteilt, dass die 38 -jährige Patientin auf der RTW-Trage verbleiben soll und direkt auf die Intensivstation gebracht werden soll. Auf der Intensivstation eingetroffen , wird der diensthabenden Intensivmediziner vom Notarzt über Anamnese und den Erstbefund der Patientin informiert.

Vom Notarzt wird vorgeschlagen, ob zeitgleich zur Bestimmung des Alkoholspiegels ein Drogenscreening durchgeführt werden könne. Vom Intensivmediziner der Klinik wird daraufhin mitgeteilt, dass eine Bestimmung des Alkoholspiegels im hiesigen Krankenhaus grundsätzlich nicht erfolge und dass ein Drogenscreening nur in seltenen Fällen – nach Rücksprache mit dem Chefarzt – eingeleitet würde. Fälle wie den aktuellen (mit Somnolenz und ohne Handlungsanweisung durch die Giftnotrufzentrale) solle  man am Besten ausschlafen lassen.

Blutdruck weiterhin bei 100/60 mmHg  Puls bei 125/Min, Sauerstoffsättigung bei 90 %

Pupillen unverändert eng mit minimaler Lichtreaktion. Muskeltonus schlaff.

Patientin ist – nach wie vor – nicht erweckbar. Die Abwehrreaktion auf Schmerzreize ist gering.

Noch befindet sich die Patientin auf der RTW-Trage.

Weiteres Procedere ?

Dr. Gerrit Müntefering
Arzt für Chirurgie / Unfallchirugie / Notfallmedizin
Lessingstr. 26
47445 Moers

27. April 2018

Die Vier-Länder-Arbeitsgruppe für Standards im Rettungsdienst mit Mitarbeitern aus Landesverbänden der
Ärztlichen Leiter Rettungsdienst Mecklenburg-Vorpommern,
Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt hat sich am letzten Wochenende in Köln getroffen.
Es steht die erste Überarbeitung der gemeinsamen Standards in den vier Ländern an.

Haben Sie Vorschläge, Korrekturen etc. für die Neufassung?
Dann nutzen Sie bitte das Kontaktformular unter:
http://aelrd-nrw.org/

Unter der Adresse finden Sie auch kostenlos alle Standards zum Download.

Simulationstraining im Schloß Holte-Stukenbrock fand wieder großen Anklang

20. März 2018 ► 

Auch die 4. Regionalfortbildung der AGNNW in Ostwestfalen-Lippe fand bei den Teilnehmenden wieder großen Anklang.

Beim Simulationstraining Geburtshilfe ging es im Modul A erneut um die notärztliche Hilfestellung bei der physiologischen Geburt. Das Feedback bestätigt unser Konzept, mit dem man nicht mit Wissen und Algorithmen zu diversen Komplikationsmöglichkeiten der Geburt überschüttet wird. Vielmehr konnten die zumeist AGNNW-Mitglieder in mehreren Simulations-Durchläufen genau das trainieren, wovor sehr viele Notärztinnen und Notärzte Manschetten haben und was in der Geburtshilfe am allerhäufigsten vorkommt – und im Rettungsdienst dennoch selten: nämlich die normale Geburt.

 

Um diese Sorge erleichtert verabschiedeten sich die Teilnehmer nach einem angenehmen Fortbildungstag in Schloß Holte-Stukenbrock und freuen sich auf den 27./28. Oktober in Minden: da wird’s dann um die Komplikationen gehen.

Aktuell: Zusatzbezeichnung Notfallmedizin ersetzt Fachkundenachweis Rettungsdienst

11. März 2018 ►

Am 10. März 2018 hat die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein beschlossen, dass zur Steigerung der präklinischen Versorgungsqualität die Zusatz-Weiterbildung Notfallmedizin als notwendige Vorraussetzung für den Einsatz als Notärztin/Notarzt eingeführt wird. Die Fachkunde Rettungsdienst wird von der Ärztekammer Nordrhein ab dem 01.Januar 2019 nicht mehr erteilt. Die bestehenden Fachkunden Rettungsdienst gelten weiter.

22. Februar 2018 ►

Der Landesverband der ÄLRD in NRW hat den Auftrag, Standardisierten Arbeitsanweisungen (SAA) für Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter zu entwickeln und fortzuschreiben. Aufgrund des hohen Aufwandes haben sich zwischenzeitlich 4 Landesverbände der ÄLRD (Mecklenburg-Vorpommern, NRW, Sachsen-Anhalt und Sachsen) zusammengeschlossen, um die SAA gemeinsam zu entwickeln und anzupassen. In NRW werden diese SAA seit 2016 mittels Erlass des Gesundheitsministeriums (MAGS) in Kraft gesetzt. Am 22.2.2018 wurden die aktuellen SAA und Behandlungspfade versandt und stehen somit zur sofortigen Umsetzung (Schulung, Übung, Leistungskontrolle, etc.) zur Verfügung. Ziel ist es allerdings, die Überarbeitung und Abstimmung so zu terminieren, dass sie bereits am Ende des Jahres abgestimmt vorliegen. Fragen und Anregungen können auf der Homepage des Landesverbandes unter dem Reiter „SAA“ eingebracht werden. Spätestens in der darauffolgenden Überarbeitung werden diese dann berücksichtigt.

20. Februar 2018 ►

Derzeit gibt es kein klares Bild bezüglich der Vorteile einer Hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) bei Kohlenmonoxid—Indoxikation (CO-Intox). Eine Taiwanesische Studie auf Basis nationaler, retrospektiv ausgewerteter Daten bringt nun einen Erkenntnisgewinn für die Entscheidungsfindung.

Über 25.000 CO-Intox wurden ausgewertet (1999 – 2012). 7.278 Patienten erhielten HBO und 18.459 nicht. Das Langzeitergebnis wurde bis 2013 nachverfolgt.

Nach Risikostratifizierung in den Gruppen zeigte sich folgendes:

– Patienten mit HBO hatten eine niedrigere Sterblichkeit als nicht-HBO-Versorgte
– Betroffene, die jünger als 20 Jahre alt waren, profitierten stärker von HBO als ältere
– Patienten mit akuter respiratorischer Insuffizienz verbesserten sich unter HBO stärker als andere Verletzte
– Mehrfache HBO-Behandlungen führten zu verbesserten Ergebnissen

Die Autoren schlussfolgern, dass HBO nach CO-Intox die Sterblichkeit sinken lässt und hiervon vor allem junge und respiratorisch eingeschränkte Patienten profitieren.

Huang CC. Hyperbaric Oxygen Therapy Is Associated With Lower Short- and Long-Term Mortality in Patients With Carbon Monoxide Poisoning. Chest. 2017 Nov;152(5):943-953. doi: 10.1016/j.chest.2017.03.049.

Artikel ist kostenlos zu finden unter: http://journal.chestnet.org/…/S0012-3692(17)30723-7/fulltext

Arzt und Rechtsmedizin in Bonn

3. Februar 2018 ►

Volles Haus bei der AGNNW-Veranstaltung "Arzt & Rechtsmedizin" in Bonn unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Burkard Madea., Institut für Rechtsmedizin im Universitätsklinikum Bonn. Dr. Hella Körner-Göbel aus dem Vorstand begrüßt die 120 Teilnehmer im Namen der AGNNW.

27. Januar 2018 ►

Mittels einer sozialräumlichen Analyse konnten die Auoren um Hanefeld in der Großstadt Bochum zeigen, dass die notärztliche Einsatzrate in sozial benachteiligten Stadtteilen sowohl in der Gesamtzahl der Einsätze als auch in der Betrachtung der einzelnen Erkrankungen erhöht ist. Für den Rettungsdienst wird damit einmal mehr eine gesamtgesellschaftliche Problematik erkennbar.
Die absolut lesenswerte Studie schaffte es sogar auf das Titelbild des Deutschen Ärzteblattes und kann kostenlos herunter geladen werden.

http://bit.ly/2FjRIfi