Fall des Monats Juli 2014

Notfallmeldung:

nicht ansprechbare Person

Anfahrt:

Das NEF und der RTW erreichen die Einsatzstelle (Einfamilienhaus) 7 Minuten nach Alarmierung.

Angaben zur Auffindesituation:

Ein ca. 50-jähriger Mann öffnet die Haustür und berichtet, seinen 20 jährigen Sohn nicht ansprechbar in seinem Zimmer vorgefunden zu haben. Der Zugang zum Zimmer war durch den Jugendlichen, der hinter der Tür im Türöffnungsradius lag, erschwert gewesen.
Der Vater hatte mit seinem Sohn zuletzt 2 Stunden vor der aktuellen Aufindesituation gesprochen ohne erinnerliche Auffälligkeiten.

Erstbefund:

Der 20-jährige Patient wird auf dem Rücken liegend vorgefunden. In der näheren Umgebung des liegenden Jugendlichen befinden keine verletzungsträchtigen kantigen Einrichtungsgegenstände und auch kein Mobiliar mit Blutspuren. Der Jugendliche ist somnolent, reagiert aber auf laute Ansprache mit kurzzeitigem Augenöffnen. Antworten des Patienten sind nur auf wiederholtes lautes Anfragen des Notarztes zu erhalten. Die Antworten des Jugendlichen sind dabei verlangsamt, einsilbig („Ja“) und nicht adäquat zur Frage .

Die Pupillenkontrolle ist erschwert möglich, da der Patient die Augenlider zukneift. Die Pupillen sind mittelweit. Eine Pupillendifferenz besteht nicht. Lichtreaktion prompt. Kein Blick zur Lichtquelle oder zum Untersucher, keine einseitig betonte Blickrichtung. Allerdings ein angedeuteter Pendelnystagmus.

Kreislaufparameter und Atmung unauffällig. RR: 120/70 mmHg. Puls 80 /Min.  Pulsoximetrie : SaO²  94 %.
Blutzucker-Stix: 75 mg/dl.

Kein auffälliger Foetor ex ore.
Keine Prellmarken im Schädel-Bereich.
Der Patient reagiert auf periphere Schmerzreize mit angedeuteter , aber gerichteter Abwehrbewegung.  Die orientierende Untersuchung der oberen Extremität und des Rumpfes ergibt keinen pathologischen Befund. Kein erhöhter Muskeltonus. Muskeleigenreflexe leicht abgeschwächt auslösbar ohne Seitendifferenz.
Bei der Untersuchung der unteren Extremität ist die Hose durchfeuchtet mit Uringeruch. Daraufhin genauere Inspektion der Mundhöhle: Feststellung einer Einblutungsspur am re. Zungenrand.

Weitere Recherchen des Notarztes bei den Angehörigen:

Die Abfrage des Notarztes beim anwesenden Vater nach Vorerkrankungen seines Sohnes (Krampfleiden / Stoffwechselerkrankungen / früher abgelaufenen Synkopen ) wird verneint. Kein Drogenabusus bekannt. Keine Hinweise auf psychische Instabilität oder aktuelle Probleme. Beim raschen Durchsuchen des Zimmers und Badezimmers sind auch keine Tablettenschachteln auffindbar.

Erstmaßnahmen:

Anlage eines peripher-venösen Zugangs. 
02-Maske mit Flow von 4 Litern/ Min.. 
Blutdruck weiterhin bei 120 / 60 mm Hg Frequenz  um 80 / min, 02-Sättigung 95 %. 
Stabilisierende Lagerung des Patienten auf die Vakuum-Matratze und anschließender Transfer in den RTW.
Nochmals Kontrolle des Blutzucker-Stix : 70 mg/dl.

Welche Klinik / welche Fachabteilung würden Sie ansteuern?

Welche weiteren präklinischen (diagnostischen / therapeutischen) Maßnahmen kämen noch infrage?

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