Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen

Eine 72-jährige Frau geht mit Sohn und Hund spazieren. Der mittelgroße Hund läuft an der Leine. Sie ruft plötzlich etwas, was der Sohn nicht versteht. Als er sich zu seiner Mutter umdreht, sieht er sie auf dem Boden liegend. Vom ersten Aspekt her könnte sie vom Hund umgerissen worden sein. Als er zu ihr kommt, krampft sie generalisiert. Unmittelbar darauf ist die Patientin leblos, ohne erkennbare Atmung und reanimationspflichtig. Daraufhin sofortiges Absetzen des Notrufs.

Der anwesende Sohn konnte in Panikstarre -trotz Anleitungsversuch des Disponenten – keine Laienreanimation durchführen.

Von der Leitstelle ist – parallel zur In-Marsch-setzung der bodengebundenen Rettungsmittel mit längerem Anfahrtsweg – auch ein RTH alarmiert worden.

 

Trotz aller Widrigkeiten im aktuellen Fall dennoch günstiger Verlauf der von der Leitstelle eingeleiteten Rettung: 2 Corhelper sind in der Nähe. Beginn der Reanimation durch die beiden sehr schnell verfügbaren Corhelper bereits 4 Minuten nach Alarmierung.

Eine Corhelperin ist außerdem kardiologische Fachärztin, bestens ausgestattet mit AED, Ambubeutel und Larynxmaske im Gepäck.

 

Ersthelfer-Maßnahmen:

Sofortige Anlage des AED. Initial detektierter Rhythmus: Kammerflimmern.

 

Schock durch AED. Danach Asystolie und Weiterführung der Reanimation mittels Thoraxkompression und Beatmung über die erfolgreich platzierte Larynxmaske.

 

Eintreffen NA und RTW ca. 9 Minuten nach Alarmierung.

 

ACLS-Maßnahmen durch das Rettungsteam:

Weiterführung der Reanimation. Verfahrenswechsel bei der Atemwegssicherung. Die endotracheale Intubation ist problemlos möglich, Lunge anschließend auskultatorisch seitengleich belüftet. Anlage eines intravenösen Zugangs. BZ-Stix: 140 mg/dl. Rechte Pupille  größer als links, jedoch lichtreagibel.

Nach Adrenalingabe erneutes Kammerflimmern. 2. Schock und nun ROSC nach insgesamt 10 Minuten Reanimationsdauer. 

 

Befunderhebung nach ROSC:

Kleine Kopfplatzwunde, sonst keine Verletzungen.

RR: 105/60 mmHg, Puls 105/ min. Beatmungsfrequenz: 14/min. Atemexkursionen des Thorax seitengleich ohne erkennbare Einschränkung.

Das ableitete 12-Kanal-EKG zeigt keine relevanten pathologischen Befunde, insbesondere unauffällige ST-Strecken.

 

RTH jetzt im Anflug.

 

Weitere Information zu Vorerkrankungen der Patientin durch den Sohn:

-Insulipflichtiger Diabetes mellitus

– Arterielle Hypertonie

Die diesbezügliche Medikation ist dem Sohn nicht bekannt. 

 

Unterschiedliche Symptomatiken im oben beschriebenen Verlauf !

 

Verdachtsdiagnose?

 

Zielklinik?

 

 

Dr. med. univ. Richard Adler
Facharzt für Anaesthesie
Sürther Hauptstr. 214
50999 Köln

Dr.Richard.Adler@web.de

 

3 thoughts on “Fall des Monats Juni 2026

  1. Schließe mich meinem Vorredner an – entweder tSAB oder Aneurysma-SAB. Zielklinik – wenn RTH gut durchkommt, dann Maximalversorger mit Koro plus NCH. Wenn RTH nicht weit fliegen kann, dann ein KH mit Coro-Möglichkeit plus CCT und Neurologie. Weiterverlegen kann man immer noch. Theoretisch, da lichtreagible Pupillen, kann es auch eine ED Epilepsie sein. Aus endogener Ursache, Menigeom zum Beispiel. Dann wäre sie postiktal wegen Hypoxie reanimationspflichtig geworden.

  2. Auflösung zum Fall des Monats Juni 2026

    Wie J. Kaiser und Akane bereits nachvollziehbar vorgeschlagen haben, wurde vom RTH ein Maximalversorger mit Neurochirurgischer Abteilung angeflogen.

    Das in der ZNA der Universitätsklinik sofort veranlasste Schädel-CT war unauffällig. Kein Hinweis auf eine Subarachnoidalblutung. Die weitere apparative Diagnostik ergab eine einseitige Rippenserienfraktur (als CPR-Folge eher nicht typisch) und eine Ruptur des vorderen Längsbandes im Bereich der BWS. Die kardiologische Diagnostik ergab einen NSTEMI ohne Erfordernis von Rekanalisationsmaßnahmen in der Coronarangiografie.

    Die intubierte Patientin wird auf der Intensivstation drei Tage lang gekühlt. Initial zeigte sich zunächst ein ansteigender Noradrenalin-Bedarf, der im Verlauf dann aber reduziert werden konnte. Die Extubation der Patientin war am 5. stationären Tag möglich.

    Einordnung der oben beschriebenen initialen Symptomatik [abweichend von der auch plausiblen Verlaufsdeutung (Epilepsie => Hypoxie) von Akane] :
    Kammerflimmern und NSTEMI waren wohl die Ursache für die Reanimationspflicht. Initial hat die Patientin durch die Hypoxie wohl gekrampft, was die Pupillendifferenz erklären könnte.

    Dr. med. univ. Richard Adler
    Facharzt für Anaesthesie
    Sürther Hauptstr. 214
    50999 Köln
    Dr.Richard.Adler@web.de

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