Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen

Alarmierungsmeldung am Mittwoch, 16 Uhr: weibliche Person, 70 Jahre, nicht ansprechbar mit erhaltener Atmung

Bei der Anfahrt kommt von der Leitstelle die Zusatzinfo, dass die Frau eine schnarchende Atmung hätte.

 

Situation vor Ort:

Gleichzeitiges Eintreffen von RTW und NEF an der Einsatzstelle. 2-geschossige obere Wohnung in Zweifamilienhaus. Der Anrufer (Ehemann der Notfallpatientin) empfängt uns an der Haustür und führt uns ins Schlafzimmer im Obergeschoss.

Dort liegt seine 70-jährige Frau nur mit Slip bekleidet im Bett. Auf dem Bettlaken finden sich Spuren von Erbrochenem.

Der Mann berichtet zur Vorgeschichte, dass sie gerade Sex gehabt hätten, und die Frau währenddessen plötzlich gesagt hätte“ Mein Kopf!“ Dann sei sie bewusstlos geworden und kurze Zeit später habe sie einmal erbrochen.

 

Erstbefund:

Die Patientin ist auf Rütteln erweckbar, Pupillen bds. mittelweit und isokor mit prompter Lichtreaktion. Auf Ansprache hin reißt sie die Augen auf, richtet den Oberkörper auf und erbricht im Schwall.

Die Frau sinkt anschließend wieder auf das Bett und klagt über Übelkeit.

Atemfrequenz: 20/ Min, Sauerstoffsättigung 100%, Lunge auskultatorisch unauffällig, kein Anhalt für Aspiration

RR: 137/85 mmHg, tympanal gemessene Temperatur: 36°

EKG-Ableitung: Sinusrhythmus, Frequenz 113/Min.

BZ: 119mg/dl

Keine Nackensteifigkeit, keine peripheren neurologischen Ausfälle. 

 

Anamnestische Angaben des Ehemanns zu Vorerkrankungen:

Arterielle Hypertonie, zufriedenstellend eingestellt, Schilddrüsendysfunktion, ansonsten keine relevanten Vorerkrankungen bisher.

Medikation: Antihypertensiva, Schilddrüsenmedikamente, Vitamin D, keine Blutverdünner.

 

Weiterer Verlauf:

Die Patientin ist bewusstseinsklar, ihre Vigilanz bessert sich sogar mit der Zeit. Zu diesem Zeitpunkt keine Angaben von stärkeren Kopfschmerzen. Sie wird im Tragetuch in Linksseitenlage über die Treppe zum RTW gebracht. Beim Transfer auf die RTW-Trage klagt die 70-jährige Frau erneut über Übelkeit und erbricht schwallartig.

 

Maßnahmen im RTW:

Intravenöser Zugang li. Handrücken. Anhängen von Vollelektrolytlösung. Gabe von Ondansetron 4mg gegen die Übelkeit.

Im RTW (10 Minuten später) erneute Untersuchung bzgl. Nackensteifigkeit. Jetzt können beim Vorbeugen des Kopfes Schmerzen im Hinterkopf ausgelöst werden. Die Patientin ist weiterhin bewusstseinsklar. Vitalparameter und EKG unverändert zum Erstbefund.

 

 

Arbeitsdiagnose?

 

Gründe für den hier beschriebenen Verlauf?

 

Zielklinik?

 

Dr. med. univ. Richard Adler
Facharzt für Anaesthesie
Sürther Hauptstr. 214
50999 Köln

Dr.Richard.Adler@web.de

 

 

One thought on “Fall des Monats April 2026

  1. Klinisch drängen sich SAB etc. auf.: Monitoring, Management und Zuweisung entsprechend dem aktuellen Standard.
    Die aktuelle gesellschaftliche Debatte sollte genug sensibilisiert haben, um auch an GHB und ähnliches sowie alles damit verbundene zu denken.

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