Arbeitsgemeinschaft Notärzte in Nordrhein-Westfalen

Alarmierungsmeldung am Montag, 13 Uhr: weibliche Person, 82 Jahre, Beschwerden in die Halsregion ausstrahlend, Z.n. OP

Situation vor Ort:

Gleichzeitiges Eintreffen von RTW und NEF an der Einsatzstelle. Einfamilienhaus. Der Anrufer (Ehemann der Notfallpatientin) empfängt uns an der Haustür und führt uns ins Schlafzimmer im Erdgeschoss.

Dort sitzt seine 82-jährige Frau auf der Bettkante. Sie klagt über in den Hals ausstrahlende Schmerzen, die vor 30 Minuten begonnen hätten. Außerdem leichte Schmerzausstrahlung in Richtung der rechten Schulter. Knapp 5 Wochen zuvor habe man eine HWS-Operation mit Implantation von 3 Cages durchgeführt wegen zervikalen Bandscheibenvorfällen, mehrsegmentalen Osteochondrosen mit zervikaler Spinalkanalstenose. Ein Jahr zuvor sei bei Omarthrose rechts ein künstliches Schultergelenk implantiert worden. Seit der Operation seien häufiger Schmerzen im Schulter-Nacken-Bereich aufgetreten, weshalb eine Oxycodon-Dauermedikation verordnet worden sei.

Weiterhin sei bei ihr ein Asthma bronchiale bekannt.

Die Frau berichtet aktuell von einem pulsierenden Kloßgefühl im Hals.

2 Wochen zuvor musste sie aufgrund eines thorakalen Druckgefühls ohne Ausstrahlung schon einmal mit dem Rettungswagen in die Notaufnahme des nahegelegenen Krankenhauses transportiert werden. Laut vorläufigem Kurzbericht der kardiologischen Klinik war bei der Verlaufskontrolle der Herzenzyme ein Troponin-Anstieg festgestellt worden mit Verdacht auf einen Nicht-ST-Hebungsinfarkt. Daraufhin war der Patientin eine zeitnahe Coronardiagnostik dringend angeraten worden. Die 82-jährige Frau hatte aber eine Coronarangiografie abgelehnt und habe das Krankenhaus noch am gleichen Tag gegen ärztlichen Rat verlassen.

In den darauffolgenden beiden Wochen habe es keine vergleichbaren Schmerzattacken im Brustkorbbereich gegeben, jedoch wiederholte Schmerzen in der Halsregion.

Aktuelle Medikation: ASS 100 mg, Atorvastatin, Metamizol 500 mg und

Oxycodon 10 mg 1-0-1

Erstbefund:

Atemfrequenz: 14/ Min, Sauerstoffsättigung 96%, Lungenauskultation im wesentlichen unauffällig, leises Giemen und diskret verlängertes Exspirium. Kein im Seitenvergleich abgeschwächtes Atemgeräusch.

RR: 114/60 mmHg, Frequenz 186/ min. Tympanal gemessene Temperatur: 36,6°, BZ: 149mg/dl

Keine Nackensteifigkeit, keine peripheren neurologischen Ausfälle. 

Pupillen bds. mittelweit und isokor mit prompter Lichtreaktion.

Die 12-Kanal-EKG-Ableitung zeigt folgenden Befund:

Erstmaßnahmen:

Intravenöser Zugang re. Ellenbeuge. Anhängen von Vollelektrolytlösung.

Blutdruck nach dem Transfer der Patientin in den RTW: 89/60 mmHg

Arbeitsdiagnose?

Welche weiteren Maßnahmen sind präklinisch sinnvoll?

Jens Kortheuer-Schüring
Notfallsanitäter
Hoher Weg 22
46569 Hünxe

One thought on “Fall des Monats Mai 2026

  1. Anhand von Symptomatik und wesentlich sinkendem RR wäre die Patientin instabil; als Ursache scheint die extreme Tachykardie 186/min zu sein.
    Spätestens im RTW sollte in Kurznarkose synchronisierte eKV durchgeführt werden.

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