{"id":849,"date":"2013-03-22T18:33:42","date_gmt":"2013-03-22T17:33:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.agnnw.de\/?p=849"},"modified":"2014-01-16T06:32:15","modified_gmt":"2014-01-16T05:32:15","slug":"fall-des-monats-maerz-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=849","title":{"rendered":"Fall des Monats M\u00e4rz 2013"},"content":{"rendered":"<p>Alarm an einem Novembersonntag um 22:15 f&uuml;r RTW und NEF in ein Altenpflegeheim &quot;Atemnot&quot;<br \/>\n\tRTW und NEF treffen etwa zeitgleich ein. Vor Ort finde sich eine 83j&auml;hrige Patientin mit Cheyne-Stokes-Atmung. Zus&auml;tzlich besteht ein deutliches inspiratorisches und expiratorisches Distanzrasseln beim Atmen. Die Patientin ist nicht erweckbar. Laut Angaben des Pflegepersonals ist die Patientin seit einem schweren doppelten Apoplex vor 2 Jahren in einem dauerhaften komat&ouml;sen Zustand und vollpflegebed&uuml;rftig. Anders sei jetzt lediglich die ungew&ouml;hnliche Atmung.<br \/>\n\tDie Patientin wird verkabelt und erh&auml;lt &uuml;ber eine Maske 8l\/min O2.<br \/>\n\tEKG:SR 86\/min, RR:90\/50mmHg, SpO2:59%<br \/>\n\tEine perorale Absaugung f&ouml;rdert reichlich Schleim und Sondenkost zutage allerdings ist die SpO2 weiterhin um 60% und die Patientin atmet unregelm&auml;ssig Cheyne-Stokes-artig. In dem vorgelegten Pflegeverlegungsbericht findet sich die Telefonnummer der Tochter, die auch als gesetzliche Betreuerin aufgef&uuml;hrt ist. Telefonisch wird sie &uuml;ber den Zustand ihrer Mutter und die bisherigen Ma&szlig;nahmen in Kenntnis gesetzt. Trotz Erl&auml;uterung des Zustandes ihrer Mutter und der Prognose besteht die Tochter auf eine Maximaltherapie inklusive Beatmung und Intensivtherapie. Das Telefonat wird protokolliert und die Patientin gem&auml;&szlig; des ausdr&uuml;cklich ge&auml;u&szlig;erten Wunsches intubiert und beatmet. Die Kreislaufsituation stabilisiert sich etwas und die SpO2 steigt auf 94% (CO2:46mmHg) Es erfolgt die Anmeldung auf einer Intensivstation eines nahegelegenen Krankenhauses, und nach Umlagerung der Patientin macht sich der Rettungstro&szlig; auf den Weg zum Fahrstuhl. W&auml;hrend sich die Fahrstuhlt&uuml;r zu schlie&szlig;en beginnt, kommt noch eine Altenpflegekraft angerannt, die mit den Worten &quot;Das lag noch in der Akte und muss glaub ich mit ins Krankenhaus&quot; einen dicken braunen Umschlag, und die Fahrstuhlt&uuml;r schliesst sich.<br \/>\n\tAuf dem Weg hinunter beginnt der Notarzt in den Unterlagen zu bl&auml;ttern, die sich in diesem Umschlag finden, und kippt beinahe hinten&uuml;ber:<br \/>\n\tEs findet sich eine Betreuerurkunde eines gerichtlich eingesetzten Betreuers, der nicht identisch ist mit der Tochter. Weiterhin findet sich ein Gerichtsurteil, in dem der Tochter der Betreuerstatus aberkannt wird, weil sie wiederholt nicht im Interesse ihrer Muter gehandelt habe, sondern durch pers&ouml;nliche Motive geleitet stets die maximal m&ouml;gliche Therapieoption vor Palliativma&szlig;nahmen und Patientenschonung gesetzt habe. Es findet sich weiterhin ein anwaltlicher Brief, in dem die Geschwister der ebengenannten davor warnen, und es sogar ausdr&uuml;cklich untersagen, ihren Anweisungen zu folgen, da sie nicht die Interessen der Mutter im Sinn habe.<\/p>\n<p>Der Fahrstuhl kommt im Erdgeschoss an, die T&uuml;ren &ouml;ffnet sich. Die Patientin ist weiterhin beatmet und kreislaufstabil. Und nun?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alarm an einem Novembersonntag um 22:15 f&uuml;r RTW und NEF in ein Altenpflegeheim &quot;Atemnot&quot; RTW und NEF treffen etwa zeitgleich ein. Vor Ort finde sich eine 83j&auml;hrige Patientin mit Cheyne-Stokes-Atmung. Zus&auml;tzlich besteht ein deutliches inspiratorisches und expiratorisches Distanzrasseln beim Atmen. Die Patientin ist nicht erweckbar. 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