{"id":5899,"date":"2022-11-01T09:57:20","date_gmt":"2022-11-01T08:57:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=5899"},"modified":"2022-11-01T09:57:29","modified_gmt":"2022-11-01T08:57:29","slug":"fall-des-monats-oktober-2022-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=5899","title":{"rendered":"Fall des Monats November 2022"},"content":{"rendered":"<p><u>Alarmierungsmeldung<\/u> Montag 20:30 Uhr:<\/p>\n<p>Die Leitstelle informiert die auf der Rettungswache befindliche NEF-Besatzung, dass der im Einsatz befindliche RTW mit einer gest\u00fcrzten Person (Sturz &lt; 3 Meter) gleich an der Rettungswache eintreffen w\u00fcrde und der Notarzt zusteigen sollte.<\/p>\n<p><u>Angabe der RTW-Besatzung zum Notfallereignis:<\/u><\/p>\n<p>Die RTW-Besatzung war alarmiert worden aufgrund des Treppensturzes einer 75-j\u00e4hrigen Frau in einem Mehrfamilienhaus. Das Sturzereignis sei nicht beobachtet worden. Die Gest\u00fcrzte muss &#8211; entsprechend der Situation vor Ort &#8211; eine 4-stufige Steintreppe heruntergefallen sein mit anschlie\u00dfender Sch\u00e4delprellung und Platzwunde links parietooccipital. Die Mitbewohner des Hauses seien durch den L\u00e4rm alarmiert worden und h\u00e4tten die Frau auf dem R\u00fccken liegend vorgefunden. Sie sei f\u00fcr ca. 2 Minuten nicht ansprechbar gewesen. Die Mitbewohner h\u00e4tten sofort die Rettungsleitstelle angerufen. Die Verst\u00e4ndigung mit der Verletzten ist aufgrund der \u00fcberwiegenden Fremdsprachigkeit (russisch) eingeschr\u00e4nkt gewesen. Eine Hausbewohnerin teilt dem Rettungsteam mit, dass die Gest\u00fcrzte nicht in diesem Haus wohnt, sondern bei Ihrer Tochter zu Besuch sei. Die Tochter ist allerdings nicht vor Ort anwesend und ihren 5-j\u00e4hrigen Sohn, der in der Wohnung mit seinem Handy gespielt hatte, hatten die Nachbarn zur Vermeidung des Anblicks seiner gest\u00fcrzten Oma in ihrer eigenen Wohnung untergebracht. Die gest\u00fcrzte Frau stellt in gebrochenem Deutsch mehrmals die gleiche Frage: \u201eWas ist .. ? \u201c<\/p>\n<p><u>Erstbefund der RTW-Besatzung:<\/u> Das RTW-Team hat den Erstbefund gem\u00e4\u00df ABCDE-Schema erhoben. A, B oder C-Probleme bestehen nicht. Atemwege frei. Keine Dyspnoe, keine Zyanose SpO2 : 97 %. 12 Atemz\u00fcge \/ Minute, Kreislaufscreening\u00a0 RR : 160 \/ 75 mm HG , Puls 85 \/min rhythmisch. Ein Augen\u00f6ffnen kann durch lautere Ansprache motiviert werden. Pupillen mittelweit, isokor, Reaktion auf Licht und Konvergenz prompt. Im Bereich des behaarten Sch\u00e4dels ist links parieto-occipital eine deutliche gut mandarinengro\u00dfe Schwellung mit 6 cm langer Platzwunde sichtbar. Es zeigt sich ein gr\u00f6\u00dferes offensichtlich \u00e4lteres H\u00e4matom im linken Jochbeinbereich mit gelb-gr\u00fcnlicher Verf\u00e4rbung. Im Bereich der Sch\u00e4delkalotte rechts temporoparietal ist eine 14 cm lange bogenf\u00f6rmig gef\u00fchrte wohl \u00e4ltere Narbe sichtbar. Bei der Inspektion von Thorax, Abdomen, der Wirbels\u00e4ule und den Extremit\u00e4ten keine Deformit\u00e4t und keine Prellmarken sichtbar. Auch keine Schmerz\u00e4u\u00dferungen der Patientin bei der Palpation von Rumpf und Extremit\u00e4ten. Ad\u00e4quate Reaktion der Patientin auf taktile Reize in der K\u00f6rperperipherie.<\/p>\n<p><u>Erstbehandlung durch das RTW-Team:<\/u><u><br \/>\n<\/u>Immobilisierung der Patientin auf dem Spineboard mit Headblock. Die Anlage eines intraven\u00f6sen Zugangs gelingt bei schlechten Venenverh\u00e4ltnissen der Patientin prim\u00e4r nicht. Blutzucker-Stix: 158 mg\/dl.<\/p>\n<p>Eine kl\u00e4rende Kommunikation mit der gest\u00fcrzten Frau ist nicht m\u00f6glich. Sie stellt ungerichtet nochmals die gleiche Frage: \u201e Was ist \u2026? \u201c.<\/p>\n<p>Die Mitbewohner des Hauses kennen die Mobilfunknummer der Tochter nicht. Bei der kurzen Sichtung der Wohnung der Tochter finden sich auf den ersten Blick keine Tablettenboxen und keine medizinischen Dokumente \/ keine Pflegemappe o.\u00e4..<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die RTW-Besatzung transportiert die gest\u00fcrzte Frau in den RTW und fordert aufgrund der unver\u00e4ndert erschwerten Beurteilbarkeit der Situation eine Notarztbegleitung an.<\/p>\n<p>Die Rettungswache mit Notarztstandort liegt nur 2 Strassen vom Einsatzort entfernt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Verlauf nach Zusteigen des Notarztes:<\/u><\/p>\n<p>Der zugestiegene Notarzt kann die unklare Situation mit erschwerter Beurteilbarkeit der gest\u00fcrzten Frau nachvollziehen und sieht die Notwendigkeit einer raschen weitergehenden Befundkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Ein intraven\u00f6ser Zugang kann am anderen Arm nun erfolgreich gelegt werden. Unver\u00e4nderte Werte bei der Kontrolle der Vitalparameter. Pupillenbefund weiterhin unauff\u00e4llig.<\/p>\n<p>Die Notfallort befindet sich auf dem Weg zur ausgew\u00e4hlten Klinik der Maximalversorgung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>M\u00f6gliches Vorgehen zur weiteren Kl\u00e4rung?<\/p>\n<p>Arbeitsdiagnose?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dr. Gerrit M\u00fcntefering<\/p>\n<p>Arzt f\u00fcr Chirurgie\/Unfallchirurgie\/Notfallmedizin<\/p>\n<p>Lessingstra\u00dfe 26<\/p>\n<p>47445 Moers<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alarmierungsmeldung Montag 20:30 Uhr: Die Leitstelle informiert die auf der Rettungswache befindliche NEF-Besatzung, dass der im Einsatz befindliche RTW mit einer gest\u00fcrzten Person (Sturz &lt; 3 Meter) gleich an der Rettungswache eintreffen w\u00fcrde und der Notarzt zusteigen sollte. 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