{"id":5575,"date":"2022-02-01T10:28:55","date_gmt":"2022-02-01T09:28:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=5575"},"modified":"2022-03-01T07:52:15","modified_gmt":"2022-03-01T06:52:15","slug":"fall-des-monats-februar-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=5575","title":{"rendered":"Fall des Monats Februar 2022"},"content":{"rendered":"<h2>Zum 20-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Initiative &#8222;Fall des Monats&#8220; der AGNNW<\/h2>\n<p>pr\u00e4sentieren wir nochmals den Fall des Monats \u201eNummer 1\u201c\u00a0 aus dem Monat Februar 2002<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Notfallmeldung :<\/u><\/p>\n<p>Gegen 2 Uhr nachts Eingang der Notfallmeldung eines PKW-Fahrers in der \u00f6rtlichen Rettungsleitstelle. Der Anrufer (PKW-Fahrer) ist von einer weiblichen Person auf einer Landstra\u00dfe angehalten worden. Die weibliche Person suchte um Hilfe, da ihr Partner mit dem Fahrrad schwer gest\u00fcrzt sei.<\/p>\n<p><u>Situation vor Ort:. <\/u><\/p>\n<p>NEF und RTW treffen ca. 5 Minuten nach Alarmierung an der angegebenen Unfallstelle ein (wenig befahrene Landstra\u00dfe mit Fahrradweg).<\/p>\n<p>Eine m\u00e4nnliche Person j\u00fcngeren Alters wird auf einem Grasst\u00fcck seitlich des Fahrradweges auf dem R\u00fccken liegend aufgefunden. Die verwaschene Sprache des sich spontan \u00e4u\u00dfernden Verletzten weisen auf einen st\u00e4rkeren Alkoholgenu\u00df hin. 2 Meter weiter liegt ein unbesch\u00e4digtes Fahrrad. Anwesend ist die o.g. Begleiterin des verletzten Fahrradfahrers. Diese kann zum Unfallhergang befragt werden.<\/p>\n<p><u>Anamneseerhebung \/ Rekonstruktion des Unfallhergangs :<\/u><\/p>\n<p>Der Unfallverletzte ist nach vorherigem Alkoholgenuss mit dem Fahrrad gegen einen seitlich des Radweges stehenden Laternenpfahl gefahren. Durch die Wucht des Anpralls ist er vom Radweg abgekommen und mit dem Vorderrad in einen Graben gefahren und hat sich anschlie\u00dfend mit dem Fahrrad \u00fcberschlagen. Nach Angaben seiner Begleiterin ist er nach diesem Sturz sofort ansprechbar gewesen. Er habe sofort \u00fcber st\u00e4rkere Schmerzen im Nackenbereich geklagt. Schmerzbedingt konnte er anschlie\u00dfend nicht mehr aus der liegenden Position aufgerichtet werden.<\/p>\n<p><u>Erstbefund :<\/u><\/p>\n<p>Auf dem R\u00fccken liegend wird ein ca. 30-j\u00e4hriger Mann aufgefunden. Bei den \u00c4u\u00dferungen des Verletzten ist ein deutlicher Foetor alkoholicus feststellbar.<\/p>\n<p>Er reagiert auf Ansprache mit ad\u00e4quater Blickwendung. Der Verletzte ist sehr unruhig. Befragt nach Schmerzen klagt der Verletzte \u00fcber Schmerzen im Hinterhauptsbereich des Sch\u00e4dels sowie \u00fcber st\u00e4rkere Schmerzen im Nackenbereich. Bevor die Ersthelfer ihn erreichen, versucht der agitierte Verletzte, den Oberk\u00f6rper aufzurichten bzw. den Kopf anzuheben. Diese Kopfvorneige-Bewegung ist schmerzbedingt jedoch nur ansatzweise ausf\u00fchrbar. Es ist auff\u00e4llig, dass der Verletzte dabei die obere Halsregion durch seine im Nackenbereich zusammengef\u00fchrten H\u00e4nde zu stabilisieren versucht. Mit deutlicher Schmerz\u00e4u\u00dferung l\u00e4sst er dann den Kopf sofort wieder zu Boden sinken.<\/p>\n<p>Der Verletzte wird sofort eindringlich ermahnt, ruhig liegen zu bleiben. Alkoholbedingt ist die Compliance jedoch schlecht, so dass die Rettungsassistenten den Verletzten unter Gewaltanwendung am Boden halten m\u00fcssen. Er leistet gegen diese fixierenden Ma\u00dfnahmen mit Armen und Beinen Widerstand. Eine motorische Schw\u00e4che bzw. Minderinnervation der Extremit\u00e4ten ist somit augenscheinlich nicht vorhanden.<\/p>\n<p>Bei der orientierenden Erstuntersuchung\u00a0 kein Hinweis f\u00fcr ein Thoraxtrauma bei regelrechten Atemexkursionen beider Thoraxh\u00e4lften. Keine Dyspnoe. Die Kontur des Abdomens und die Bauchdeckenspannung sind unauff\u00e4llig.<\/p>\n<p>Der periphere Arterienpuls ist kr\u00e4ftig tastbar. Eine Pupillendifferenz kann nicht festgestellt werden. Die Lichtreaktion beider Pupillen ist vorhanden, wenn auch leicht verlangsamt.<\/p>\n<p><u>Erstma\u00dfnahmen und weiterer pr\u00e4klinischer Verlauf:<\/u><\/p>\n<p>Die Rettungsassistenten versuchen, weitere Bewegungen des Kopfes bzw. des Nackens auch gegen den Widerstand des alkoholisierten Patienten zu verhindern. Ein Rettungssanit\u00e4ter stabilisiert die Kopfregion, w\u00e4hrend zwei Kollegen den nicht kooperativen, Widerstand leistenden Verletzten an beiden Schulterpartien auf dem Boden halten.<\/p>\n<p>Zur Ruhigstellung der schmerzhaften Nackenregion wird unverz\u00fcglich ein Stiffneck-Kragen angelegt. Der alkoholisierte Verletzte versucht, auch gegen die Anlage dieses Halskragens Widerstand zu leisten, kann jedoch an der Entfernung der Orthese gehindert werden.<\/p>\n<p>Ein intraven\u00f6ser Zugang wird auf dem Handr\u00fccken angelegt.\u00a0 Der BZ-Wert wird dabei gepr\u00fcft und eine Hypoglyk\u00e4mie kann ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Unter energischer Ansprache durch die Ersthelfer kann der Widerstand des alkoholisierten Patienten gegen die Erstma\u00dfnahmen schlie\u00dflich gebrochen werden, ohne dass die Gabe sedierender Medikamente erforderlich wird.<\/p>\n<p>Nun ist eine weitergehende Untersuchung des etwas kooperativeren Verletzten m\u00f6glich :<\/p>\n<p>Bei der Untersuchung der Kopfregion sind keine Sch\u00fcrfungen oder lokale Schwellungen im Bereich des behaarten Kopfes und der Hinterhauptsregion festzustellen. Pupillen mittelweit isokor, Reaktion auf Licht und Konvergenz diskret verlangsamt (nach Alkoholgenuss), jedoch seitengleich pr\u00fcfbar.<\/p>\n<p>Hinweise auf Extremit\u00e4tenverletzungen finden sich nicht. Periphere Sensibilit\u00e4t im Bereich der oberen und unteren Extremit\u00e4t regelrecht.<\/p>\n<p>Auch eine Befragung des Verletzten zum Unfallhergang und die Pr\u00fcfung des Erinnerungsverm\u00f6gens zur Abkl\u00e4rung mnestischer L\u00fccken ist nun m\u00f6glich :<\/p>\n<p>Der Verletzte kann sich an die Vorereignisse am Unfalltag vor dem Sturz bis einschlie\u00dflich des Anpralls gegen den Laternenpfahl erinnern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Transportvorbereitung:<\/u><\/p>\n<p>Lagerung des Patienten auf einer Vakuum-Matratze.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Verdachtsdiagnose ?\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Zielklinik ?<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Dr. med. Gerrit M\u00fcntefering<\/p>\n<p>Arzt f\u00fcr Chirurgie \/ Unfallchirurgie<\/p>\n<p>Lessingstra\u00dfe 26<\/p>\n<p>47445\u00a0 Moers<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bilder zur Aufl\u00f6sung:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.agnnw.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/www.agnnw.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"272\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.agnnw.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.agnnw.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/3.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"271\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.agnnw.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.agnnw.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/4.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"253\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum 20-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Initiative &#8222;Fall des Monats&#8220; der AGNNW pr\u00e4sentieren wir nochmals den Fall des Monats \u201eNummer 1\u201c\u00a0 aus dem Monat Februar 2002 &nbsp; Notfallmeldung : Gegen 2 Uhr nachts Eingang der Notfallmeldung eines PKW-Fahrers in der \u00f6rtlichen Rettungsleitstelle. 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