{"id":4761,"date":"2020-08-01T08:56:47","date_gmt":"2020-08-01T06:56:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=4761"},"modified":"2021-01-01T12:03:44","modified_gmt":"2021-01-01T11:03:44","slug":"fall-des-monats-august-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=4761","title":{"rendered":"Fall des Monats August 2020"},"content":{"rendered":"<p><u>Einsatzmeldung<br \/>\n<\/u>Freitag 22:30 Uhr<br \/>\nKrampfanfall bei Krebspatientin<\/p>\n<p><u>Situation vor Ort:<\/u><br \/>\nDie Angeh\u00f6rigen \u00f6ffnen die T\u00fcr. Eine 63-j\u00e4hrige Patientin liegt im Bett. Ikterischer Aspekt. Kachektischer Zustand. Es ist ein klonisches Zucken der Gesichtmuskulatur rechtsbetont erkennbar. Gleichzeitig bestehen auch klonische Kontraktionen der rechtsseitigen Arm- und Handmuskulatur. RR: 150 \/ 90 mmHg Puls 86\/min . Sauerstoffs\u00e4ttigung: 90 %<\/p>\n<p>Die Patientin ist nicht ansprechbar. Keine Pupillendifferenz. Pupillenreaktion unauff\u00e4llig. Nur minimale, dennoch gerichtete Reaktion der Patientin auf periphere Stimuli. Keine pathologischen Reflexe.<\/p>\n<p><u>Anamnese:<\/u><br \/>\nVon den Angeh\u00f6rigen wird berichtet, dass bei der 65-j\u00e4hrigen Patientin vor ca. 5 Jahren ein lokal fortgeschrittenes hepatozellul\u00e4res Karzinom erstmals diagnostiziert worden sei . Nach prim\u00e4rer Tumoroperation und anschlie\u00dfender Chemotherapie seien sehr bald pulmonale und peritoneale Metastasen festgestellt worden. Die letzte Kontrolldiagnostik habe dann auch eine kleine zerebrale Metastase im Sch\u00e4del-CT gezeigt.<br \/>\nDie Patientin sei nun in engmaschiger haus\u00e4rztlicher Betreuung. weitere \u00c4rzte sind nicht involviert (trotz erkennbarem\u00a0 Bedarf der Rund-um-die Uhr Palliativ-Versorgung). Die nicht eingeleitete Palliativbetreuung wird damit begr\u00fcndet , dass eine gut funktionierende Institution f\u00fcr die spezialisierte ambulante Palliativversorgung im n\u00e4heren Umkreis des Wohnorts bisher noch nicht existiert , aber angabegem\u00e4\u00df im Aufbau befindlich sein soll. Eine station\u00e4re Hospiz-Unterbringung ist \u2013 laut Angeh\u00f6rigen &#8211;\u00a0 von der Patientin bis zuletzt noch nicht gew\u00fcnscht worden, sie m\u00f6chte so lange wie m\u00f6glich in ihrer Wohnung verbleiben. Auch eine angebotene station\u00e4re Aufnahme in einer schmerztherapeutischen Abteilung f\u00fcr einige Tage zur Optimierung der analgetischen Therapie sei von der Patientin abgelehnt worden.<\/p>\n<p>Vom Hausarzt sei die seit 2 Wochen eingeleitete Opiat-Medikation wegen mehrerer Nebenwirkungen vor 2 Tagen von der Dosierung her geringf\u00fcgig reduziert worden. Aktuell sei der Hausarzt\u00a0 f\u00fcr einige Tage nicht konsultierbar wegen eines Kurzurlaubs.<br \/>\nSeit Nachmittag sei die Patientin \u2013 nach Angaben der Angeh\u00f6rigen &#8211; sehr schl\u00e4frig geworden.<\/p>\n<p>Der Krampfsymptomatik habe vor ca. 30 Minuten begonnen zun\u00e4chst mit leichtgradigem Muskelzucken in der Gesichtsregion ( rechts etwas ausgepr\u00e4gter als links). Seit ca. 20 Minuten sind dann auch die Zuckungen der rechtsseitigen Armmuskulatur hinzugekommen. Seit diesem Zeitpunkt habe die Patientin zun\u00e4chst nur noch auf sehr laute Ansprache reagiert. Seit ca. 10 Minuten sei nun keine Reaktion auf Au\u00dfenreize mehr erkennbar.<\/p>\n<p><u>Erstma\u00dfnahmen:<br \/>\n<\/u>Messung der Vitalparameter: RR: 115 \/ 90 mmHg,\u00a0 Puls 85 \/min, Sauerstoffs\u00e4ttigung: 90 %<\/p>\n<p>Anlage eines iv.-Zugangs im linken Handr\u00fcckenbereich mit\u00a0 Blutzuckerbestimmung: 109 mg %<\/p>\n<p>Injektion von 3 mg Midazolam langsam\u00a0 fraktioniert \u00a0i.v. , wonach das Zucken im Gesichtsbereich sistiert. Auch die klonischen Kontraktionen der rechten Armmuskulatur werden etwas geringer. Die Bewusstseinstr\u00fcbung besteht unver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Die vom Notarzt zur Diskussion gestellte station\u00e4re Weiterbehandlung bzw. station\u00e4re \u00dcberwachung der Patientin zumindest \u00fcber den Nachtverlauf wird von der Angeh\u00f6rigen abgelehnt.<\/p>\n<p>Eine Patientenverf\u00fcgung liegt interessanterweise nicht vor.<br \/>\nDie klonischen Zuckungen der rechtsseitigen Armmuskulatur werden 5 Minuten sp\u00e4ter wieder erkennbar st\u00e4rker.<\/p>\n<p>Kontrolle der Vitalparameter\u00a0: RR: 120 \/ 90 mmHg,\u00a0 Puls 80 \/min, Sauerstoffs\u00e4ttigung: 95 % unter Gabe von 4 Litern Sauerstoff \u00fcber Nasensonde.<br \/>\nDer intraven\u00f6se Zugang l\u00e4uft gut.<\/p>\n<p>Die Patientin ist weiterhin nicht ansprechbar. Die klonischen Armkontraktionen bestehen in wechselnder nun wieder deutlich ansteigender Intensit\u00e4t seit mittlerweile 30 Minuten trotz nochmals wiederholter antikonvulsiver Medikation ( langsame Nachinjektion von 3 mg Midazolam ).<\/p>\n<p>Weiteres Procedere ?<\/p>\n<p>Welche Behandlung oder Weiterbetreuung w\u00fcrden Sie vorschlagen ?<\/p>\n<p>Dr. Gerrit M\u00fcntefering<br \/>\nChirurgie \/ Unfallchirurgie \/ Notfallmedizin<br \/>\nLessingstr. 26<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einsatzmeldung Freitag 22:30 Uhr Krampfanfall bei Krebspatientin Situation vor Ort: Die Angeh\u00f6rigen \u00f6ffnen die T\u00fcr. Eine 63-j\u00e4hrige Patientin liegt im Bett. Ikterischer Aspekt. Kachektischer Zustand. Es ist ein klonisches Zucken der Gesichtmuskulatur rechtsbetont erkennbar. Gleichzeitig bestehen auch klonische Kontraktionen der rechtsseitigen Arm- und Handmuskulatur. RR: 150 \/ 90 mmHg Puls 86\/min . 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