{"id":4588,"date":"2020-02-17T20:42:38","date_gmt":"2020-02-17T19:42:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=4588"},"modified":"2020-02-17T20:43:40","modified_gmt":"2020-02-17T19:43:40","slug":"agnnw-trauert-um-dieter-stratmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=4588","title":{"rendered":"AGNNW trauert um Dieter Stratmann"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zum Tod von Dr. Dieter Stratmann (11.04.1944 \u2013 15.02.2020)<\/strong><\/p>\n<p>Dieter Stratmann wurde in M\u00fcnster (Westf.) geboren. Nach einer Lehre zum Bankkaufmann und erneutem Schulbesuch absolvierte er 1966 das Abitur und studierte in der Folge zun\u00e4chst Jura, sp\u00e4ter Medizin an der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t M\u00fcnster. Hier legte er 1975 das Medizinische Staatsexamen ab und erhielt \u2013 wie damals \u00fcblich \u2013 nach seiner T\u00e4tigkeit als Medizinalassistent am Marienhospital Erwitte die \u00c4rztliche Approbation im September 1976. Nach Weiterbildung zum An\u00e4sthesisten am Klinikum Minden kehrte er von 1981 bis 1984 zun\u00e4chst als Leitender Arzt der Abteilung f\u00fcr An\u00e4sthesie und Intensivtherapie an das\u00a0 Marienhospital Erwitte zur\u00fcck, bevor er am 1.1.1985 die Position eines Chefarztes am Institut f\u00fcr An\u00e4sthesiologie im Klinikum Minden \u00fcbernahm und bis zum 31.12.2008 behielt.<\/p>\n<p>Das Interesse an der Notfallmedizin erwachte offenbar bereits w\u00e4hrend des Medizinstudiums, w\u00e4hrend dessen Dieter Stratmann als \u201eKrankenwagenfahrer\u201c arbeitete. Noch innerhalb der Medizinalassistentenzeit promovierte er im Januar 1976 an der Johannes-Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz \u00fcber \u201eDie Effektivit\u00e4t der Ausbildung zum Rettungssanit\u00e4ter\u201c. Betreut wurde die Arbeit vom damaligen Mindener Chefarzt Prof. Dr. Hans Nolte, der zwei Jahre zuvor in Minden eines der ersten Notarzt-Systeme in NRW etabliert hatte und wesentlich an bundesweiten Bestimmungen f\u00fcr die Rettungssanit\u00e4terausbildung mitwirkte. Den Namen von Hans Nolte tr\u00e4gt heute die Strasse, an der das 2008 noch zu Dienstzeiten von Dieter Stratmann in Betrieb genommene, neu errichtete Johannes Wesling Klinikum Minden liegt.<\/p>\n<p>In logischer Folge einer solchen beruflichen Pr\u00e4gung \u00fcbernahm Dieter Stratmann in den Jahren 1976\/77 die \u00c4rztliche Leitung des neu eingerichteten Notarztstandortes Erwitte sowie ab 1980 des Notarztstandortes Minden, sp\u00e4ter unterbrochen durch die zwischenzeitliche R\u00fcckkehr nach Erwitte, wo er erneut die Verantwortung f\u00fcr den Notarztstandort \u00fcbernahm. Seit 1992 war er \u00c4rztlicher Leiter der Rettungsassistentenschule im Studieninstitut f\u00fcr kommunale Verwaltung Bielefeld. In diesen Funktionen war er ma\u00dfgeblich am Aufbau und an der Erweiterung der not\u00e4rztlichen und rettungsdienstlichen Infrastruktur in Ostwestfalen beteiligt.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist die umfangreiche T\u00e4tigkeit in \u00fcberregionalen Gremien, die Dieter Stratmann bereits als junger Arzt aufnahm. Er war Landesfeuerwehrarzt NRW von 1978-1998 und bereits seit 1979 Mitglied des Landesfachbeirats f\u00fcr den Rettungsdienst beim Gesundheitsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. Auf Bundesebene wirkte er f\u00fcr den Deutschen Feuerwehrverband von 1982-1998 im Deutschen Institut f\u00fcr Normung (DIN) sowie auf europ\u00e4ischer Ebene von 1991-1995 im Technical Committee \u201eRescue Systems\u201c des\u00a0 Comit\u00e9 Europ\u00e9en de\u00a0Normalisation (CEN) bei der Formulierung von Anforderungen an Rettungsfahrzeuge und deren Ausstattung mit.<\/p>\n<p>Im Dezember 1983 wurde in K\u00f6ln die Arbeitgemeinschaft der Not\u00e4rzte in Nordrhein-Westfalen AGNNW e.V. gegr\u00fcndet. Der Gr\u00fcndungsvorsitzende war Prof. Gustav Heinz Engelhardt (1930-2012) aus Wuppertal, einer der Wegbereiter des K\u00f6lner Notarztdienstes in den fr\u00fchen 60er Jahren. Dieter Stratmann war mit nicht einmal 40 Jahren einer der beiden stellvertretenden Vorsitzenden im Gr\u00fcndungsvorstand der AGNNW und l\u00f6ste 1988 Heinz Engelhardt als Vorsitzenden ab. Im Mai 1984 war er im Verbund der damals bestehenden f\u00fcnf L\u00e4nder-Arbeitsgemeinschaften Gr\u00fcndungsmitglied der BAND, deren Vorsitz er ebenfalls 1988 zum ersten Mal \u00fcbernahm. Die BAND, seit 1998 als eingetragener Verein, repr\u00e4sentiert heute 12 regionale Notarzt-Arbeitsgemeinschaften mit \u00fcber 11.000 Mitgliedern.<\/p>\n<p>Als Vertreter der BAND war Dieter Stratmann seit 1990 Mitglied im Deutschen Beirat f\u00fcr Erste Hilfe und Wiederbelebung bei der Bundes\u00e4rztekammer und von 1993-2002 in der Sektion Rettungswesen der Deutschen Interdisziplin\u00e4ren Vereinigung f\u00fcr Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Er war Mitglied im Ausschuss \u201eNotfall- und Katastrophenmedizin\u201c bei der Bundes\u00e4rztekammer seit 1991, in der Kommission \u201eNotfallmedizin\u201c der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr An\u00e4sthesiologie und Intensivmedizin (DGAI) von 1992-2000 sowie im Gr\u00fcndungsvorstand des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Notfallmedizin der DGAI von 2000-2002.<\/p>\n<p>In der Zeit zwischen 1985 und 2000 wurden parallel zur gesundheitspolitischen Diskussion um die Zuordnung des Notarztdienstes die Strukturelemente unseres modernen Notarztsystems gepr\u00e4gt. Unter Dieter Stratmanns Leitung standen die bundesweit ersten Fortbildungsseminare f\u00fcr Not\u00e4rzte in 1985 (damals noch A-, B-, C-Kurse genannt), das bundesweit erste Fortbildungsseminar f\u00fcr Leitende Not\u00e4rzte im Dezember 1988 sowie das bundesweit erste Fortbildungsseminar f\u00fcr \u00c4rztliche Leiter Rettungsdienst im Oktober 1995.<\/p>\n<p>Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit der Bundes\u00e4rztekammer in Person von Prof. Dr. Peter Knuth (1946-2012),\u00a0 dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Arzt und Leiter des Weiterbildungsdezernats der Bundes\u00e4rztekammer von 1986 bis 1997. Peter Knuth war gemeinsam mit Dieter Stratmann und Christoph Biesing (1938-1988) ma\u00dfgeblich mitbeteiligt an der Erarbeitung der Empfehlungen der Bundes\u00e4rztekammer und der DIVI zur Fortbildung zum Leitenden Notarzt in 1988, welchen das \u201eWesergespr\u00e4ch der AGNNW\u201c im September 1987 unter der Federf\u00fchrung von Dieter Stratmann vorausgegangen war, sowie der Forderung der Bundes\u00e4rztekammer zur\u00a0 Institutionalisierung eines \u00c4rztlichen Leiters Rettungsdienst in 1994.<\/p>\n<p>Dieter Stratmann war bis 2002 im Wechsel Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender der AGNNW und bis 2006 Vorsitzender der BAND. Beide Verb\u00e4nde haben ihn mit dem Ausscheiden aus offizieller Funktion zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen ist er \u00a0Tr\u00e4ger des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland sowie des Deutschen Feuerwehrehrenkreuzes in Gold des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV).<\/p>\n<p>Die wesentlichen Schwerpunkte seines jahrzehntelangen Engagements beschrieb Dieter Stratmann selbst in der Mitwirkung bez\u00fcglich der Aufgabenstellung und der Ausbildung der Rettungssanit\u00e4ter (seit 1978) und der Rettungsassistenten (seit 1988) sowie im Hinblick auf die Institutionalisierung und Fortbildung von Not\u00e4rzten (seit 1985)\u201a Leitenden Not\u00e4rzten (seit 1988) und \u00c4rztlichen Leitern Rettungsdienst (seit 1995).\u00a0 Dahinter standen seine fortgesetzten Anstrengungen, \u00e4rztlichen Sachverstand und \u00e4rztliche Kompetenz in gesetzliche Vorschriften, Normen und Empfehlungen qualifizierter Institutionen und Verb\u00e4nde zu integrieren. Ganz besonderes Engagement galt dabei der Institutionalisierung des Leitenden Notarztes und in j\u00fcngerer Zeit der Reorganisation der Kooperation von Rettungsdienst und Katastrophenschutz nach den Ereignissen des 11. September 2001. In ungez\u00e4hlten Vortr\u00e4gen auf wissenschaftlichen Kongressen, Fortbildungsveranstaltungen und Fachtagungen sowie zahlreichen Publikationen verfolgte er diese Ziele beinahe unerm\u00fcdlich. Dieter Stratmann legte gro\u00dfen Wert auf die Feststellung, dass ma\u00dfgebliche Verdienste um sein Lebenswerk seiner Ehefrau Jutta zufallen, die ihn bei allen seinen Aufgaben stets unterst\u00fctzte.<\/p>\n<p>Wir halten fest: Das Notarzt- und Rettungswesen in Deutschland w\u00e4re ohne Dieter Stratmann nicht da, wo es heute steht. Als Grundlage seiner erfolgreichen Arbeit finden sich vor allem Fachkompetenz, nachhaltige\u00a0 Sacharbeit, die F\u00e4higkeit zur Netzwerkbildung und ausgepr\u00e4gte \u00dcberzeugungskraft. Dahinter stehen \u2013 unverkennbar westf\u00e4lische Tugenden &#8211; Geduld und Ausdauer, Bodenst\u00e4ndigkeit und Weitblick. Nicht zuletzt muss als eine Eigenschaft Dieter Stratmanns seine Kollegialit\u00e4t hervorgehoben werden &#8211; \u00fcber vier Jahrzehnte der Ausgangspunkt einer authentischen und verbindlichen Kommunikation \u00fcber Berufsgrenzen hinweg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Tod von Dr. Dieter Stratmann (11.04.1944 \u2013 15.02.2020) Dieter Stratmann wurde in M\u00fcnster (Westf.) geboren. Nach einer Lehre zum Bankkaufmann und erneutem Schulbesuch absolvierte er 1966 das Abitur und studierte in der Folge zun\u00e4chst Jura, sp\u00e4ter Medizin an der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t M\u00fcnster. 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