{"id":4170,"date":"2019-07-01T06:23:00","date_gmt":"2019-07-01T04:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=4170"},"modified":"2019-10-05T10:12:54","modified_gmt":"2019-10-05T08:12:54","slug":"fall-des-monats-juli-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=4170","title":{"rendered":"Fall des Monats Juli 2019"},"content":{"rendered":"<p><u>Alarmierungsmeldung:<\/u><\/p>\n<p>Alarmierung am fr\u00fchen Samstagnachmittag im Juli 2006\u00a0 um 13:32 Uhr, Einsatzstichwort: Tauchunfall<\/p>\n<p><u>Situation vor Ort und Vorgeschichte :<\/u><\/p>\n<p>Eintreffen des RTW um 13:35 Uhr\u00a0 am Einsatzort. Das NEF ist 3 Minuten sp\u00e4ter vor Ort. Einsatzort ist der sogenannte Tauchereinstieg an einem bei Wassersportlern sehr beliebten, rekultivierten ehemaligen Baggersee.<\/p>\n<p>Bei Eintreffen des NEF hat die Besatzung des RTW\u2019s einen 59-j\u00e4hrigen Patienten bereits \u201ean Land\u201c in Empfang genommen. Der Mann hat sein Tauchger\u00e4t bereits abgelegt . Der Ganzk\u00f6rperneoprenanzug ist im Oberk\u00f6rperbereich ge\u00f6ffnet. \u00a0Er ist auf die RTW-Besatzung zugelaufen und ihnen mitteilt, dass er nur mal eben zum &#8222;Nachgucken&#8220; ins n\u00e4chste Krankenhaus wolle.<\/p>\n<p>Der adip\u00f6se Patient ist erkennbar verschwitzt und vom Aspekt her etwas bla\u00df. Er ist voll orientiert, GCS 15. Eine leichte Dyspnoe ist feststellbar. Er berichtet, da\u00df er mit seinen zwei \u201e<em><strong>Tauchbuddies\u201c (bedeutet in Taucherkreisen \u201eKumpel unter Wasser&#8220;) <\/strong><\/em>einen Tauchgang unternommen habe. Die Tauchzeit habe etwa 30-35 Minuten betragen. Als man einen Tauchpartner bei schlechter Sicht verloren habe, sei man vereinbarungsgem\u00e4\u00df aufgetaucht, um sich an der Wasseroberfl\u00e4che zu treffen. Beim Aufstieg seien die Sicherheitsregeln des Tauchens angabegem\u00e4\u00df befolgt worden.<\/p>\n<p>Direkt nach Erreichen der Wasseroberfl\u00e4che sei es bei dem 59-j\u00e4hrigen Mann dann zu \u00dcbelkeit, Hustenanf\u00e4llen mit subjektiver Dyspnoe gekommen. Er sei daraufhin von seinen Tauchpartnern in R\u00fcckenlage ans Ufer gebracht worden.<\/p>\n<p><u>Erstuntersuchung:<\/u><\/p>\n<p>Der Patient wird\u00a0 zum RTW geleitet und dort untersucht:<\/p>\n<p>Der Patient betont nochmals, da\u00df es ihm gut gehe und man doch nicht so viel Aufwand betreiben m\u00fcsse, schlie\u00dflich habe er \u00a0bei einem Tauchgang vor einigen Jahren bereits ein \u00e4hnliches Ereignis durchlebt. Damals sei er danach von einem Pulmonologen untersucht worden, der jedoch keine Ursache f\u00fcr das Ereignis habe finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es finden sich keine \u00e4u\u00dferen Verletzungen, keine peripheren neurologischen Ausf\u00e4lle.<\/p>\n<p>Vitalparameter bei der Erstuntersuchung : RR 170\/100 mmHg, Puls 150\/min , SaO2 79% , Atemfrequenz 16\/min<\/p>\n<p>Auskultatorisch sind beide Lungen seitengleich bel\u00fcftet, es finden sich feinblasige Rasselger\u00e4usche \u00fcber beiden Lungenfl\u00fcgeln. Der Patient beklagt eine leichte subjektive Atemnot, aber eigentlich kaum Schmerzen. Auff\u00e4llig ist der fortbestehende Reizhusten. Es wird hellrot-schaumiger Auswurf exspektoriert.\u00a0 Au\u00dferdem besteht eine leichte \u00dcbelkeit. Ein Hautemphysem findet sich nicht.<\/p>\n<p>EKG-Ableitung : Sinustachykardie, Steiltyp ohne weitere Auff\u00e4lligkeiten<\/p>\n<p>BZ-Stix: 134 mg\/dl<\/p>\n<p><u>Erstma\u00dfnahmen:<\/u><\/p>\n<p>Sofort wird \u00fcber eine Maske Sauerstoff verabreicht mit einem Flow von 14 l \/ Minute. Daraufhin Anstieg der SaO2 auf 92% . Der Patient mit erh\u00f6htem Oberk\u00f6rper gelagert, ein ven\u00f6ser Zugang gelegt und &#8211; zur Verbesserung der Rheologie &#8211; 500 ml HAES infundiert. Dar\u00fcber hinaus wird der Patient durch eine Decke vor dem Ausk\u00fchlen gesch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Das Tauchger\u00e4t und der Tauchcomputer des Patienten werden sichergestellt. Der Tauchcomputer verbleibt am Patienten.<\/p>\n<p>Wie soll weiter vorgegangen werden?<\/p>\n<p>Zielklinik ?<\/p>\n<p>Tauchunfall ? (Ist ein Tauchunfall bei mitgeteilter Beachtung der Sicherheitsregeln aus einer Tauchtiefe von 8 m \u00fcberhaupt m\u00f6glich?)<\/p>\n<p>Dr. med. Frank H\u00f6pken<br \/>\nFacharzt f\u00fcr Chirurgie \/ Notfallmedizin<br \/>\n\u00c4rztlicher Leiter Rettungsdienst Kreis Wesel<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Achtung ! Erratum!<\/strong><\/p>\n<p><strong>Leider ist mir als verantwortlicher Gegenleser in der Rubrik \u201eFall des Monats\u201c direkt in der Einleitung des Falls ein sicherlich diskussionsanregender Fehler unterlaufen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich hatte leider unterschlagen,\u00a0 dass es sich um einen sehr interessanten Fall von dem immer wieder aktiven Frank H\u00f6pken handelt\u00a0 \u2026.. aber\u2026. \u00e4lteren Datums , n\u00e4mlich aus unserem Archiv Jahrgang 2006.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Deshalb sollte der Leser des Falls die beschriebenen Erstma\u00dfnahmen unter dem fr\u00fcher geltenden Behandlungsstandards sehen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Heute w\u00fcrde man sicherlich kein HAES mehr infundieren !<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alarmierungsmeldung: Alarmierung am fr\u00fchen Samstagnachmittag im Juli 2006\u00a0 um 13:32 Uhr, Einsatzstichwort: Tauchunfall Situation vor Ort und Vorgeschichte : Eintreffen des RTW um 13:35 Uhr\u00a0 am Einsatzort. 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