{"id":3909,"date":"2019-02-01T00:05:47","date_gmt":"2019-01-31T23:05:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=3909"},"modified":"2019-03-31T20:40:22","modified_gmt":"2019-03-31T18:40:22","slug":"fall-des-monats-februar-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=3909","title":{"rendered":"Fall des Monats Februar 2019"},"content":{"rendered":"\n<p>Alarmierungsmeldung am Freitag um 19:30 Uhr:<\/p>\n\n\n\n<p>Kollabierte\nPerson in Wohnung.<\/p>\n\n\n\n<p>NEF und RTW\ntreffen fast zeitgleich am Einsatzort, einem Mehrfamilienhaus im\nInnenstadtbereich ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anruferin\n(Schwester des Notfallpatienten) steht im Eingangsbereich des Hauses und f\u00fchrt\ndas Rettungsteam in die Parterrewohnung. <\/p>\n\n\n\n<p>Angaben zur\nVorgeschichte:<\/p>\n\n\n\n<p>Sie berichtet\ndem Notarzt, dass bei ihrem Bruder vor ca. 2-3 Jahren eine psychotische Episode\nmit Unruhezust\u00e4nden bestanden habe, die anschlie\u00dfend unter psychiatrischer\nBehandlung und einer Melperon- und Sertralin-Kombinationsmedikation\nzufriedenstellend behandelt werden konnte. Die neuroleptische Medikation konnte\nnach einem halben Jahr &nbsp;wieder abgesetzt\nwerden. <\/p>\n\n\n\n<p>Am heutigen\nAbend sei sie nun von ihrem Bruder angerufen worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Bruder habe\nberichtet dass er seit einigen Tagen im beruflichen und privaten Bereich einem f\u00fcr\nihn erheblichen Stress ausgesetzt gewesen sei. Aufgrund der daraufhin wieder aufgetretenen\nUnruhezust\u00e4nde habe er am heutigen Abend &nbsp;7 Tabletten von dem in seinem\nMedikamentenschrank noch vorhandenen Melperon eingenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurze Zeit nach\nder Medikamenteneinnahme habe dann das Gef\u00fchl einer zunehmenden Atemnot\neingesetzt. Er habe daraufhin seine Schwester angerufen. Als diese in der\nWohnung eintraf, sei der verkrampft auf einem Stuhl sitzende Patient bei\nWechsel zwischen schneller und stockender Atmung und Schw\u00e4che dann kurzzeitig\nkollabiert, erfreulicherweise ohne resultierendes Sturztrauma. <\/p>\n\n\n\n<p>Situation\nvor Ort:<\/p>\n\n\n\n<p>Ein 27-j\u00e4hriger\nMann wird auf der Couch sitzend angetroffen. Der Patient ist wach und hebt den\nKopf in Richtung Notarzt, als er ihn von der Seite anspricht. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Antwort des\nPatienten ist nun auff\u00e4llig stockend mit immer wieder auftretenden\nSprechpausen. Er gibt an, dass er phasenweise schlecht Luft bek\u00e4me. <\/p>\n\n\n\n<p>Erstbefund:<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nAtemfrequenz liegt bei 8-10 Atemz\u00fcgen pro Minute. Sauerstoffs\u00e4ttigung 92%. Eine\nZyanose ist nicht feststellbar<\/p>\n\n\n\n<p>Der Radialis-Puls\nist gut tastbar. Blutdruck 115\/80 mmHg, Puls 110\/min mit rhythmischer Herzaktion.<\/p>\n\n\n\n<p>Das abgeleitete\nEKG zeigt eine Schmalkomplex-Tachykardie ohne weitere Auff\u00e4lligkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nanamnestischen Angaben bez\u00fcglich der eingenommenen Melperon-Medikation ergibt\nf\u00fcr das vor Ort vorhandene und eingenommene Butyrophenon (100 mg) eine m\u00f6gliche\nGesamtdosis von 700 mg des Wirkstoffs.<\/p>\n\n\n\n<p>Es erfolgt die\ntelefonische Kontaktaufnahme mit der Giftnotrufzentrale.<\/p>\n\n\n\n<p>Die mitgeteilte\nDosis des Wirkstoffs w\u00fcrde &#8211; nach Ansicht des Giftnotrufs &#8211; bei dem vom Aspekt eher\nuntergewichtigen Patienten (K\u00f6rpergewicht&nbsp;\nca. 60-65 kg ) nahe an der gef\u00e4hrlichen Dosis des Butyrophenons von 10\nmg\/kg K\u00f6rpergewicht liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Verlauf der\nErstuntersuchung tritt dann bei dem Patienten ein zunehmend stockender\nAtemrhythmus auf. Insbesondere bei der Einatmung tritt wiederholt ein Stopp in\nder Inspirationsbewegung auf, wobei der Patient kurzzeitig&nbsp; blau anl\u00e4uft. Auf das Kommando des Notarztes\n\u201eweiter zu atmen\u201c, das durch Klopfen mit der flachen Hand auf den R\u00fccken &nbsp;(zwischen den Schulterbl\u00e4ttern) unterst\u00fctzt\nwird, kann dieser Inspirationstopp dann rasch wieder gel\u00f6st werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun\nerfolgt&nbsp; eine kurze Besprechung im Team hinsichtlich\ndes weiteren Vorgehens. Die Durchsicht der im NEF mitgef\u00fchrten Medikationsliste\nergibt , dass das f\u00fcr Intoxikationen mitgef\u00fchrte Medikationsspektrum ann\u00e4hernd\nder Bremer Intoxikationsliste also der \u201eMinimalliste\u201c entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sogenannte\n\u201eBremer Liste\u201c unfasst bekannterweise 5 Antidota<\/p>\n\n\n\n<p>-Atropin (100\nmg)<\/p>\n\n\n\n<p>-4-Dimethylaminophenol\n(4-DMAP)<\/p>\n\n\n\n<p>-Naloxon<\/p>\n\n\n\n<p>-Toloniumchlorid<\/p>\n\n\n\n<p>-Aktivkohle<\/p>\n\n\n\n<p>Das kurze Zeit\nsp\u00e4ter erneute Auftreten dieser Atemst\u00f6rung kann ebenfalls durch lautere\nAufforderung zum \u201eWeiteratmen\u201c mit entsprechendem Klopfstimulus auf den R\u00fccken\nbeendet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die hier\nbeschriebenen Atemst\u00f6rungen treten anschlie\u00dfend mehrfach und in immer k\u00fcrzeren\nZeitabst\u00e4nden auf. <\/p>\n\n\n\n<p>Die n\u00e4chste\nKlinik mit freiem Intensivbett liegt in 30-min\u00fctiger Entfernung.<\/p>\n\n\n\n<p>Frage:<\/p>\n\n\n\n<p>Einordnung der\nSymptomatik ? <\/p>\n\n\n\n<p>Diagnose ?<\/p>\n\n\n\n<p>Weiteres pr\u00e4klinisches\nProcedere?<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Gerrit M\u00fcntefering<br>Arzt f\u00fcr Chirurgie \/ Unfallchirurgie \/ Notfallmedizin  <br>Lessingstr. 26 <br>47445 Moers <br><\/p>\n\n\n\n<p>Es\nhandelt sich um eine aus 5 Antidota bestehende Minimalliste, die so genannte\n\u201eBremer Liste\u201c:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Atropin (100 mg)<\/li><li>4-Dimethylaminophenol\n     (4-DMAP)<\/li><li>Naloxon<\/li><li>Toloniumchlorid<\/li><li>Aktivkohle<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alarmierungsmeldung am Freitag um 19:30 Uhr: Kollabierte Person in Wohnung. 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