{"id":3839,"date":"2019-01-01T15:10:28","date_gmt":"2019-01-01T14:10:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=3839"},"modified":"2019-03-31T20:40:45","modified_gmt":"2019-03-31T18:40:45","slug":"fall-des-monats-januar-2019-teil-1-%ef%bb%bf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=3839","title":{"rendered":"Fall des Monats Januar 2019 \/ Teil 1 und 2\ufeff"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><br><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Alarmierungsmeldung<\/strong> am Dienstag 0:30 Uhr:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00e4nnlicher\nPatient , 23 Jahre, &nbsp;Status epilepticus<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Situation vor Ort:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ann\u00e4hernd\nzeitgleiches Eintreffen von NEF und RTW an einem Einfamilienhaus in einer\nZechensiedlung. Eine ca. 50-j\u00e4hrige Frau (Mutter des Notfallpatienten) \u00f6ffnet\ndie T\u00fcr und f\u00fchrt das Rettungsteam in die engere K\u00fcche der Wohnung. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier wird ein\n23-j\u00e4hriger Patient mit (trotz k\u00e4lterer Raumtemperatur) entbl\u00f6\u00dftem Oberk\u00f6rper\nauf dem Bauch liegend mit deutlicher Bewegungsunruhe vorgefunden. Auf dem\nK\u00fcchenboden findet sich eine Blutlache. Der Patient hat zwar die Augen ge\u00f6ffnet,\nreagiert aber nicht auf Ansprache.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Versuchen\nder Rettungssanit\u00e4ter, den Patienten in ein Raumareal ohne harte M\u00f6belkanten zu\nziehen, leistet dieser mit kr\u00e4ftigen Arm- und Beinbewegungen Widerstand.\nNot\u00e4rztliche Abfrages zum aktuellen Ereignisablauf bei der Mutter. Diese kann keine\nAngaben machen. Die Frage nach einer vorbekannten Epilepsie ihres Sohnes wird\nvon ihr verneint.&nbsp; Ein regelm\u00e4\u00dfiger\nst\u00e4rkerer Alkoholgenuss des Sohnes sei ihr ebenfalls nicht bekannt. Gefragt\nnach Drogenabusus, best\u00e4tigt die Mutter jedoch, dass der Sohn vorher schon einmal\nK-o.-Tropfen eingenommen h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere\nInformationen zur Erkrankungsvorgeschichte sind von der nicht sehr\nauskuntsbereiten Frau nicht zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erstuntersuchung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine\nUntersuchung des Patienten ist durch die starke Bewegungsunruhe und den\nWiderstand des Mannes stark erschwert. Es wird eine klaffende\nAugenbrauenplatzwunde links lateral als Blutungsquelle festgestellt. Unter\nerheblichem Krafteinsatz ist ein Blick in die Augen des Patienten m\u00f6glich. Bei\n\u00fcberwiegendem Blick zum Boden sind (trotz hellerer K\u00fcchenbeleuchtung) weite\nPupillen beidseits erkennbar. Auch die Pulspalpation ist aufgrund der starken\nBewegungsunruhe deutlich erschwert. Frequenz gesch\u00e4tzt \u00fcber 110\/min. Der Puls\nim Unterarmbereich ist ausreichend kr\u00e4ftig tastbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Patient\nmuss mit 3 Ersthelfern am Boden gehalten werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erstbehandlung: <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufgrund des\nausgepr\u00e4gten Erregungszustands intranasale Gabe von 1 Ampulle Midazolam (5 mg)\n\u00fcber MAD verteilt auf beide Nasenl\u00f6cher. Es zeigt sich allerdings auch nach\neinigen Minuten keine nennenswerte d\u00e4mpfende Wirkung auf den Unruhezustand.\nAufgrund dessen nochmalige intranasale Gabe der gleichen Midazolam-Dosis &nbsp;6 Minuten sp\u00e4ter. Ein sedierender Effekt ist\nallerdings auch nach dieser 2.Gabe&nbsp; nicht\nerkennbar. Bei aufgebrauchtem Bestand des niedrig dosierten Midazolams wird bei\npersistierender Unruhe und anhaltendem Widerstand des Patienten nun auf das h\u00f6her\nkonzentrierte Midazolam des Kinderkoffers (15 mg \/ 3ml) zur\u00fcckgegriffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch nach Gabe von 15 mg Midazolam \u00fcber MAD intranasal ist ein Sistieren der Unruhezust\u00e4nde weiterhin nicht erkennbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weiteres Procedere ? \/ Teil 2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Polizei\nwird nachgefordert und ist 10 Minuten nach Alarmierung vor Ort. Von den\nPolizeibeamten werden dem rebellierenden Patatienten nun Handschellen angelegt\nund die strampelnden Beine mit Kabelbindern im Sprunggelenksbereich ruhiggestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch ist die\nBewegungsunruhe des Patienten so ausgepr\u00e4gt, dass die Anlage eines intraven\u00f6sen\nZuganges nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach\nnochmaliger Gabe von 15 mg Midazolam \u00fcber MAD intranasal kommt es schlie\u00dflich zum\nlangsamen Sistieren der Unruhezust\u00e4nde. Ein am Finger gehaltener Pulsoximeter\nergibt eine Herzfrequenz von 120\/min mit Sauerstoffs\u00e4ttigung von 95%.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Patient\nkann auf das Tragetuch gelegt werden und zur Trage des KTW transportiert\nwerden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend des\nTransportes in das nahe gelegene &nbsp;Krankenhaus\nmit CT- \/ MRT-Ausstattung und mit neurologischer Abteilung muss der auf der\nTrage liegende unruhige Patient (trotz Handschellen und&nbsp; Gurtixierung) noch von beiden Seiten\nstabilisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der\ndiensthabende Arzt der ZNA des angefahrenen Krankenhauses teilt mit, dass ihr\neinzig freies Intensivbett gerade im Moment durch einen beatmungspflichtigen\nneuen Patienten belegt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der\nerstversorgenden Notarzt wird zum Zeitpunkt der ZNA-\u00dcbergabe f\u00fcr einen\nFolgeeinsatz alarmiert. <strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die relevanten\nInformationen der aktuellen Vorgeschichte k\u00f6nnen von ihm jedoch noch mitgeteilt\nwerden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach\ntelefonischer Verlaufsabfrage des erstversorgenden Notarztes wird ihm 2 Stunden\nsp\u00e4ter berichtet, dass der Patient nach chirurgischer Versorgung der\nAugenbrauenplatzwunde in ein Krankenhaus der Nachbarstadt mit noch freien\nIntensivkapazit\u00e4ten verlegt worden w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am&nbsp; sp\u00e4ten Nachmittag des Ereignistages dann\nTelefonat des Notarztes mit der Intensivstation des weiterbehandelnden\nKrankenhauses. Vom diensthabenden Arzt wird mitgeteilt, dass der Patient unter\nFortf\u00fchrung der Sedierung mit Benzodiazepinen und Fixierung mit Bettgurten\nallm\u00e4hlich besser f\u00fchrbar gewesen sei. Der Patient habe das Krankenhaus am\nMittag des gleichen Tages auf eigenen Wunsch gegen \u00e4rztlichen Rat verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von einem\nNotarztkollegen,der diesen Fallverlauf kannte, wird dann 1 Tag sp\u00e4ter berichtet\n, dass er (am Tag 3 nach dem oben beschriebenen Erstereignis) erneut als\nNotarzt zur oben genannten Adresse gerufen worden sei. Hier habe er den\n23-j\u00e4hrigen Patienten bewusstlos vorgefunden. Es bestand ein Monokelh\u00e4matom\nlinks.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Patient wurde in eine Klink der Maximalversorgung transportiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Diagnose ?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr. Gerrit M\u00fcntefering<br>Arzt f\u00fcr Chirurgie \/ Unfallchirurgie \/ Notfallmedizin<br>Lessingstr. 26<br>47445 Moers<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alarmierungsmeldung am Dienstag 0:30 Uhr: M\u00e4nnlicher Patient , 23 Jahre, &nbsp;Status epilepticus Situation vor Ort: Ann\u00e4hernd zeitgleiches Eintreffen von NEF und RTW an einem Einfamilienhaus in einer Zechensiedlung. Eine ca. 50-j\u00e4hrige Frau (Mutter des Notfallpatienten) \u00f6ffnet die T\u00fcr und f\u00fchrt das Rettungsteam in die engere K\u00fcche der Wohnung. 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