{"id":3753,"date":"2018-10-07T11:57:09","date_gmt":"2018-10-07T09:57:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=3753"},"modified":"2019-03-31T20:41:10","modified_gmt":"2019-03-31T18:41:10","slug":"fall-des-monats-oktober-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=3753","title":{"rendered":"Fall des Monats Oktober 2018"},"content":{"rendered":"<p><u>Alarmierungsmeldung gegen 8 Uhr morgens : <\/u><\/p>\n<p>Bewusstlose weiblichen Person (76 Jahre) in Wohnung<\/p>\n<p><u>Situation vor Ort und Vorgeschichte:<\/u><\/p>\n<p>Fast zeitgleiches Eintreffen von NEF und RTW 9 Minuten nach Alarmierung an einem Mehrfamilienhaus im Zentrum einer Kleinstadt. Das Rettungsteam betritt die gepflegte Eigentumswohnung eines \u00e4lteren Ehepaares.<\/p>\n<p>Der 79-j\u00e4hrige Ehemann der Notfallpatientin hatte die Rettungsleitstelle angerufen, als er am Morgen (bei getrennten Schlafzimmern) seine Frau in ihrem Schlafzimmer regungslos\u00a0neben dem Bett liegend vorgefunden hatte.<br \/>\nAufgrund der eingeschr\u00e4nkten geistigen Differenziertheit und der Schwerh\u00f6rigkeit des betagten Ehemanns ist die Anamnese-Erhebung hinsichtlich der Vorerkrankungen der Notfallpatientin etwas erschwert. Seine Ehefrau sei wegen Herzproblemen sporadisch in \u00e4rztlicher Behandlung gewesen. Zuletzt sei sie vor ungef\u00e4hr 3 Monaten beim Hausarzt gewesen. Auch ein zerebrales Krampfleiden sei bei seiner Frau bekannt. Der letzte Anfall sei vor ca. 1 Jahr abgelaufen. Ob es ein Krampfleiden mit gro\u00dfen Krampfanf\u00e4llen oder mit fokalen Krampfereignissen sei, kann vom Ehemann nicht sicher mitgeteilt werden. Sie sei aber im Rahmen dieser Krampfereignisse in der Regel nicht ansprechbar gewesen. Au\u00dferdem sei sie aufgrund einer depressiven Symptomatik mit Suizidversuch vor 3 Jahren station\u00e4r behandelt worden. Seine Frau musste im Anschluss dann regelm\u00e4\u00dfig Medikamente einnehmen. Auch mit dem Blutzucker sei seit kurzem etwas nicht in Ordnung. Die Blutzuckerproblematik soll aber in B\u00e4lde noch genauer abgekl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p><u>Erstbefund:<\/u><\/p>\n<p>75-j\u00e4hrige Frau bewusstlos auf dem Boden liegend. Keine kantigen M\u00f6belst\u00fccke als potentielle Verletzungsquellen in der N\u00e4he. Keine Blutspuren im Umfeld. Atmung flach, auskultatorisch unauff\u00e4llig. Radialispuls verlangsamt tastbar.<\/p>\n<p>Bei der Augeninspektion mittelweite lichtreagible Pupillen, Glagow-Coma-Scale 5, RR 80\/40 mmHg, Frequenz 46\/Min, SaO2 89%, BZ 57 mg\/dl.<\/p>\n<p>Ableitung eines 12-Kanal-EKG: Bradykarder Sinusrhythmus mit Linksschenkelblock.<\/p>\n<p>Im Rahmen der dann durchgef\u00fchrten etwas m\u00fchsamen Mundh\u00f6hleninspektion kein erkennbarer Zungenbi\u00df.<\/p>\n<p>Kein Einn\u00e4ssen.<\/p>\n<p>Bei der\u00a0 weiteren orientierenden Untersuchung der Patientin keine Traumafolgen feststellbar, keine Extremit\u00e4tenfehlstatik.<br \/>\nMedikamentenliste : \u00a0u.a. Ass100, Nexium 20 (Protonenpumpenhemmer), Metoprolol 100mg ( Betablocker) , Norvasc ( Amlopidin) 5, Delix 5 ( Ramipril) , Torem 5 ( Torasemid) , Levetirazetam (Antikonvulsivum) , Lamictal (Antikonvulsivum), Stangyl( trizyklisches Antidepressivum) \u00a0\u00a0Die Ehefrau nehme ihre Tabletten bisher immer selbst\u00e4ndig ein.<\/p>\n<p>Arztbriefe oder Krankenhausentlassungsbriefe k\u00f6nnen vor Ort nicht vorgelegt werden. Daher ist auch nicht in Erfahrung zu bringen, ob der oben genannte Linksschenkelblock neu aufgetreten oder schon bekannt ist.<\/p>\n<p>Somit unklare Vigilanzminderung.<\/p>\n<p>Erstbehandlung :<\/p>\n<p>Die Patientin erh\u00e4lt \u00fcber einen peripheren Zugang im Unterarmbereich Glucose 40 % infundiert. Gleichzeitig Sauerstoffgabe \u00fcber Nasensonde und bei GCS\u00a0 von 5 Vorbereitung der Intubationsutensilien.<\/p>\n<p>Nachdem das z\u00fcgige Infundieren der Glucose-L\u00f6sung keine Zustands\u00e4nderung bewirkt, zeitnaher Entschluss zur Atemwegssicherung. Die Patientin bei Hinweisen auf eine Low-Output-Situation im Rahmen eines kardiogenen Schocks endotracheal intubiert.<\/p>\n<p>Die endotracheale Intubation ist mit Midazolam, Etomidate und Succinylcholin ohne Schwierigkeiten durchf\u00fchrbar.<\/p>\n<p>Unter Volumengabe und gleichzeitiger Gabe von Dobutamin \u00fcber Perfusor k\u00f6nnen bereits zu Transportbeginn verbesserte Vitalparameter gemessen werden: RR 120\/70mmHg, Frequenz 60\/Min, SaO2 97%.<\/p>\n<p>Die Brustwandableitung des nun erstellten Kontroll-EKG\u2019s\u00a0 sieht wie folgt aus:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.agnnw.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Bild-1.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.agnnw.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Bild-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"376\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Patientin wird in ein Klinikum mit erweitertem Behandlungsspektrum ( Kardiologie \/ Neurologie \/ Neurochirurgie ) transportiert.<\/p>\n<p><strong>Welche Verdachtsdiagnose k\u00f6nnte gestellt werden ? <\/strong><\/p>\n<p>Dr. Gerrit M\u00fcntefering<\/p>\n<p>Arzt f\u00fcr Chirurgie \/ Unfallchirurgie \/ Notfallmedizin<\/p>\n<p>Lessingstr. 2647445 Moers<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alarmierungsmeldung gegen 8 Uhr morgens : Bewusstlose weiblichen Person (76 Jahre) in Wohnung Situation vor Ort und Vorgeschichte: Fast zeitgleiches Eintreffen von NEF und RTW 9 Minuten nach Alarmierung an einem Mehrfamilienhaus im Zentrum einer Kleinstadt. 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