{"id":3622,"date":"2018-05-01T15:29:37","date_gmt":"2018-05-01T13:29:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.agnnw.de\/?p=3622"},"modified":"2021-01-01T12:14:05","modified_gmt":"2021-01-01T11:14:05","slug":"fall-des-monats-mai-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=3622","title":{"rendered":"Fall des Monats Mai 2018"},"content":{"rendered":"<p><u>Alarmierungsmeldung: <\/u><\/p>\n<p>weibliche Person mit Tablettenintoxikation<\/p>\n<p><u>Situation vor Ort und \u00e4ltere Vorgeschichte der Patientin :<\/u><\/p>\n<p>Das NEF trifft 3 min nach dem RTW am Einsatzort ein (Einfamilienhaus in Dorfmitte). Die RTW-Besatzung ist gerade im Begriff, eine 38-j\u00e4hrige Frau aus der Wohnung zu f\u00fchren, die dann aber eine zunehmende Abwehrhaltung gegen den Transfer in den RTW zeigt.\u00a0Die vor Ort anwesenden Eltern der Patientin werden vom Notarzt zur Vorgeschichte Ihrer Tochter befragt:<\/p>\n<p>Sie berichten, dass ihre Tochter erhebliche Alkoholprobleme habe. Der t\u00e4gliche Alkoholkonsum betrage zeitweilig bis zu zw\u00f6lf Flaschen Bier pro Tag. Die Eltern berichten au\u00dferdem \u00fcber depressive Stimmungslagen und \u00fcber bereits mehrfache Suizidversuche ihrer Tochter in den vergangenen Jahren. Auch ein Drogenkonsum habe vor einigen Jahren therapiert werden m\u00fcssen, mit nicht eindeutig zu best\u00e4tigender Drogenabstinenz in der Folgezeit.<\/p>\n<p><u>Aktuelle Vorgeschichte :<\/u><br \/>\nDie Eltern der 38-j\u00e4hrigen Patientin teilen weiterhin mit, dass ihre Tochter nach einem Vergewaltigungsversuch vor ca. einer Woche erneut erhebliche psychische Probleme entwickelt habe, die auch Anlass zu einer ambulanten Vorstellung in der Ambulanz einer psychiatrischen Klinik gewesen sei. Eine angebotene station\u00e4re Behandlung sei aber von der Patientin abgelehnt worden. Vom \u00a0Hausarzt seien der Patientin dann Doxepin-Tabletten (100 Tbl.-Packung ) rezeptiert worden. Vor ca. 20 min haben die Eltern ihre Tochter nun in einem zunehmend somnolenten Bewusstseinszustand vorgefunden. Auf dem Tisch habe die Medikamentenschachtel mit den Doxepin-Tabletten gelegen, wobei rasch erkennbar wurde, dass ettliche Tabletten fehlten. Die Patientin sei gerade im Begriff gewesen, 7 Tabletten zu schlucken. Die Ingestion der Tabletten konnte jedoch gerade noch rechtzeitig durch die Eltern verhindert werden.\u00a0Daraufhin sofortige Alarmierung des Rettungsdienstes aufgrund des angenommenen Suizidversuches mit Tabletten.<\/p>\n<p><u>Erstbefund:<br \/>\n<\/u>Die 38-j\u00e4hrige Patientin muss zun\u00e4chst mit m\u00e4\u00dfiger Handanlage der Rettungsassistenten in den RTW gebracht werden. Im RTW ist dann eine rasch zunehmender Somnolenz der Patientin erkennbar, die nun keinen Widerstand mehr gegen die Erstversorgung leistet.<\/p>\n<p>Bei der orientierenden Erstuntersuchung deutlicher Foetor alkoholicus. Blutdruck 100 \/ 70 mmHg .Puls 144 \/ Minute. Rhythmische Herzaktion. Pulsoxymetrie: SaO2\u00a0 93 %<\/p>\n<p>Nach Lagerung der Patientin auf der RTW-Trage ist keine Spontanmotilit\u00e4t der Extremit\u00e4ten erkennbar. Es finden sich aber noch geringe Reaktionen auf periphere Schmerzreize.\u00a0Bei Durchsuchung der Wohnung durch die Rettungsassistenten wird die Schachtel mit den Doxepin-Tabletten gesichert. Es fehlen insgesamt 20 Tabletten Doxepin 25 mg. Unter Ber\u00fccksichtigung der von den Eltern aservierten sieben Tabletten ergibt sich eine maximal eingenommene Tablettendosis von 13 Tabletten (das entspr\u00e4che einer Dosis von 325 mg Doxepin) . Weitere Tablettenschachteln oder Blister werden nicht gefunden. \u00dcber das Ausma\u00df des heutigen Alkoholgenusses ihrer Tochter kann von den Eltern keine Angabe gemacht werden.<\/p>\n<p><u>Erstma\u00dfnahmen :<br \/>\n<\/u>Anlage eines intraven\u00f6sen Zugangs am Handr\u00fccken.<br \/>\nBlutzucker-Stix: 115 mg \/dl.<br \/>\nDie 12-Kanal-EKG-Ableitung zeigt eine Sinustachykardie mit schmalen Kammerkomplexen. Frequenz bei 140 \u2013 150 Aktionen \/ Minute ohne Arrhythmie. ( Die EKG-Ableitung ist leider abhanden gekommen)<br \/>\nBei der erneuten Vigilanzpr\u00fcfung zeigen sich nur geringe Reaktion der Patientin auf Schmerzreize (auch bei st\u00e4rkeren Reizen im Sternumbereich).<br \/>\nMuskeltonus der Patientin nun eher schlaff. Pupillen beidseits \u201eeng\u201c mit nicht sicherer Lichtreaktion.<\/p>\n<p>Nach telefonischer Kontaktaufnahme mit der Giftnotrufzentrale wird von dieser mitgeteilt, dass eine angenommene Aufnahme von 325 mg Doxepin bei einer ca. 70 kg schweren Patientin noch unterhalb der gef\u00e4hrlichen Dosis l\u00e4ge.\u00a0 Eine perorale Kohle-Gabe sei nicht erforderlich. Allerdings sei eine zeitnahe Verlaufsbeobachtung im Krankenhaus unbedingt indiziert.<\/p>\n<p>Daraufhin rascher Beginn des RTW-Transports in die nahegelegene Klinik mit freier Intensivbettenkapazit\u00e4t nach telefonischer Voranmeldung.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Transportes Blutdruckwerte um 105\/ 60 mmHg, Herzfrequenz bei 130\/Min leicht r\u00fcckl\u00e4ufig. Sauerstoffs\u00e4ttigung bei 91 %.<\/p>\n<p><u>Weitere Verlauf auf der Intensivstation in der\u00a0 Klinik:<br \/>\n<\/u>Nach Eintreffen in der Ambulanz des Krankenhauses wird vom Pflegepersonal\u00a0 mitgeteilt, dass die 38 -j\u00e4hrige Patientin auf der RTW-Trage verbleiben soll und direkt auf die Intensivstation gebracht werden soll. Auf der Intensivstation eingetroffen , wird der diensthabenden Intensivmediziner vom Notarzt \u00fcber Anamnese und den Erstbefund der Patientin informiert.<\/p>\n<p>Vom Notarzt wird vorgeschlagen, ob zeitgleich zur Bestimmung des Alkoholspiegels ein Drogenscreening durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nne.\u00a0Vom Intensivmediziner der Klinik wird daraufhin mitgeteilt, dass eine Bestimmung des Alkoholspiegels im hiesigen Krankenhaus grunds\u00e4tzlich nicht erfolge und dass ein Drogenscreening nur in seltenen F\u00e4llen &#8211; nach R\u00fccksprache mit dem Chefarzt &#8211; eingeleitet w\u00fcrde. F\u00e4lle wie den aktuellen (mit Somnolenz und ohne Handlungsanweisung durch die Giftnotrufzentrale) solle\u00a0 man am Besten ausschlafen lassen.<\/p>\n<p>Blutdruck weiterhin bei 100\/60 mmHg\u00a0 Puls bei 125\/Min, Sauerstoffs\u00e4ttigung bei 90 %<\/p>\n<p>Pupillen unver\u00e4ndert eng mit minimaler Lichtreaktion. Muskeltonus schlaff.<\/p>\n<p>Patientin ist &#8211; nach wie vor &#8211; nicht erweckbar. Die Abwehrreaktion auf Schmerzreize ist gering.<\/p>\n<p>Noch befindet sich die Patientin auf der RTW-Trage.<\/p>\n<p><strong>Weiteres Procedere ? <\/strong><\/p>\n<p>Dr. Gerrit M\u00fcntefering<br \/>\nArzt f\u00fcr Chirurgie \/ Unfallchirugie \/ Notfallmedizin<br \/>\nLessingstr. 26<br \/>\n47445 Moers<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alarmierungsmeldung: weibliche Person mit Tablettenintoxikation Situation vor Ort und \u00e4ltere Vorgeschichte der Patientin : Das NEF trifft 3 min nach dem RTW am Einsatzort ein (Einfamilienhaus in Dorfmitte). 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