{"id":3289,"date":"2017-06-01T11:13:50","date_gmt":"2017-06-01T09:13:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.agnnw.de\/?p=3289"},"modified":"2017-07-01T00:25:05","modified_gmt":"2017-06-30T22:25:05","slug":"fall-des-monats-juni-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=3289","title":{"rendered":"Fall des Monats Juni 2017"},"content":{"rendered":"<p><u>Alarmierungsmeldung:<\/u><\/p>\n<p>Alarmierungsmeldung um etwa 19:30 Uhr mit dem Stichwort &bdquo;Anaphylaktische Reaktion&ldquo; in einer kassen&auml;rztlicher Notfallpraxis. Obwohl die Praxis nur einen KTW anfordert entsendet die Leitstelle aufgrund der Beschreibung des Notfalles direkt RTW und NEF, welche zeitgleich eintreffen.<\/p>\n<p><u>Situation vor Ort:<\/u><\/p>\n<p>Der vor der Praxis auf das Team wartende Arzt erkl&auml;rt dem Rettungsteam, sie sollten die &bdquo;Bahre&ldquo; mitbringen und die Patientin in die etwa 2,5 km entfernte Klinik mit internistischer Abteilung zu transportieren. Mit dem Hinweis, sich zun&auml;chst selbst vom Zustand des Patienten &uuml;berzeugen zu wollen, betritt das Rettungsteam die Praxis. &nbsp;Dort wird eine 35 Jahre alte Frau in Oberk&ouml;rpertieflage auf einer Untersuchungsliege vorgefunden. Vom Aspekt her blasse, schwitzige Haut und &nbsp;beim erstmaligen Perfusionscheck eine Rekapillarisierungszeit &uuml;ber 2s.<\/p>\n<p><u>Angaben zum aktuellen Ereignisablauf:<\/u><\/p>\n<p>Der Arzt&nbsp; &uuml;bereicht eine Einweisung und den Transportschein und will sich direkt mit dem Hinweis auf andere Patienten verabschieden. Vom Rettungsteam werden dann aber noch weitere Angaben zur Anamnese erbeten:<\/p>\n<p>Der niedergelassene Arzt berichtet, dass sich die Patientin&nbsp; mit seit 4 Wochen bestehenden R&uuml;ckenschmerzen in der Notfallpraxis vorgestellt habe, die allerdings am heutigen Tag zugenommen h&auml;tten. Au&szlig;erdem seien nun Bauchschmerzen im linken Oberbauch hinzugekommen. Als Erstma&szlig;nahme habe er daraufhin eine Ampulle Novalgin (2,5g) als Kurzinfusion und eine Ampulle Buscopan verabreicht. Direkt im Anschluss an die Infusionsbehandlung habe er die Patientin in Begleitung ihres Ehemanns wieder nach Hause geschickt.<\/p>\n<p>Der Ehemann habe seine Frau dann aber wenige Minuten sp&auml;ter wieder in die Praxis gebracht, nachdem sie auf dem Parkplatz kollaptisch wurde, wobei er einen Sturz gerade noch abfangen konnte.<\/p>\n<p>Bei Verdacht auf eine anaphylaktische Reaktion habe der niedergelassene Arzt dann eine Vollelektrolytl&ouml;sung&nbsp; &uuml;ber einen 20G-Zugang infundiert, anschlie&szlig;end den Rettungsleitstelle alarmiert und einen Platz auf der internistischen Normalstation des naheliegenden Krankenhauses organisiert. Eine aufgezogene Ampulle Fenistil sei bisher noch nicht verabreicht worden.<\/p>\n<p><u>Erstdiagnostik:<\/u><\/p>\n<p>Zeitgleich zur Aufnahme der Anamnese wird durch das Rettungsteam die <strong><u>Diagnostik gem&auml;&szlig;<\/u><\/strong><\/p>\n<p><strong><u>ABCDE-Schema<\/u><\/strong> durchgef&uuml;hrt.<\/p>\n<p><strong>A =&gt; Airway:<\/strong> frei, keine Schwellung, kein Zungenbiss, Schleimh&auml;ute rosig<\/p>\n<p><strong>B =&gt; Breathing:<\/strong> ca. 18\/min, vesikul&auml;res AG bds. , laut Patientin besteht nur eine leichte Dyspnoe, SPO2 bei sehr flacher Plethysmographie-Kurve bei etwa 94 %. Prophylaktisch werden 4 Liter Sauerstoff &uuml;ber Nasenbrille verabreicht.<\/p>\n<p><strong>C =&gt; Circulation:<\/strong> Die Rekapillarisierungszeit liegt weiterhin &uuml;ber 2s, der Blutdruck liegt bei weiterhin unver&auml;nderter Oberk&ouml;rpertieflagerung bei 90\/50 mmHg<\/p>\n<p>Bei der Ableitung des Extremit&auml;ten-EKG unauff&auml;lliger Sinusrhythmus mit einer tachykarden Frequenz um 120\/min.<\/p>\n<p><strong>D =&gt; Disability:<\/strong> Die Patientin ist wach und ansprechbar, wirkt jedoch sehr m&uuml;de, GCS von 15 Punkten, keine Kribbelgef&uuml;hle oder Par&auml;sthesien, keine Seh- und H&ouml;rprobleme, kein Schwindel. Pupillengr&ouml;&szlig;e seitengleich mittelweit, Lichtreaktion prompt<\/p>\n<p><strong>E =&gt; Environment\/ Exposure:<\/strong> BZ 101mg\/dl, Temp. 36,8 &deg;C,. Abdomen im oberen linken Quadranten leicht gespannt, jedoch nicht druckschmerzhaft. Das &uuml;brige Abdomen ist unauff&auml;llig, auch auskultatorisch ist ein normales Darmger&auml;usch zu h&ouml;ren.<\/p>\n<p>Extremit&auml;ten unauff&auml;llig, keine Quaddeln oder Pusteln, keine &Ouml;deme<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann Befragung der Patientin zur <strong><u>Schmerzsymptomatik nach dem OPQRST-Schema<\/u><\/strong> , die die 35-j&auml;hrige Frau wie folgt beschreibt:<\/p>\n<p><strong>O =&gt; Onset:<\/strong> Beginn der R&uuml;ckenschmerzsymptomatik vor etwa 4 Wochen, Beginn eines zus&auml;tzlichen Flankenschmerzes heute Nachmittag gegen 16 Uhr<\/p>\n<p><strong>P =&gt; Provokation<\/strong>:&nbsp; beide Schmerzarten seien nicht zu verst&auml;rken. Insbesondere durch Bewegung oder durch Atmung gibt es keine Ver&auml;nderung.<\/p>\n<p><strong>Q =&gt; Quality :<\/strong> Der R&uuml;ckenschmerz sei eher dumpf gewesen, seit Einsetzen der Bauch-Flankenschmerzen sei das Gef&uuml;hl eher rei&szlig;end<\/p>\n<p><strong>R =&gt; Radiation:<\/strong> Die R&uuml;ckenschmerzen sind am &Uuml;bergang von Brust- auf Lendenwirbels&auml;ule lokalisiert und strahlen &uuml;ber die linke Flanke nach vorne aus. Sie gehen dabei in die neu aufgetretenen Bauchschmerzen &uuml;ber, die im linken Oberbauch lokalisiert sind<\/p>\n<p><strong>S =&gt; Severity :<\/strong> die Schmerzen seien sehr stark, etwa bei 7 bis 8 auf der Visuellen Analogskala<\/p>\n<p><strong>T =&gt; Time:<\/strong>&nbsp; der R&uuml;ckenschmerz sei die ganze Zeit unver&auml;ndert gewesen, erst mit Einsetzen des Bauchschmerzes habe sich der Charakter von dumpf zu rei&szlig;end entwickelt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anschlie&szlig;end erfolgt die <strong><u>Vervollst&auml;ndigung der Anamnese nach dem SAMPLE-Schema<\/u><\/strong> durch das Rettungsteam:<\/p>\n<p><strong>S =&gt; Symptoms:<\/strong> Kreislaufprobleme nach Medikamentengabe<\/p>\n<p><strong>A =&gt; Allergies:<\/strong> keine Bekannt, vor allem auf Novalgin und Buscopan seien in der Vergangenheit keine allergischen Reaktionen aufgetreten<\/p>\n<p><strong>M =&gt; Medication:<\/strong> keine Dauermedikation<\/p>\n<p><strong>P =&gt; Past medical history:<\/strong> keine bekannten Vorerkrankungen, eine Schwangerschaft vor mehreren Jahren (der 4-j&auml;hrige Sohn ist anwesend) sei komplikationslos verlaufen.<\/p>\n<p><strong>L =&gt; Last oral intake:<\/strong> Letzte Mahlzeit um etwa 14 Uhr, letzter Stuhlgang am Morgen, letztes Wasserlassen sei vor dem Arztbesuch gewesen ( unauff&auml;llige Ausscheidungen) .<\/p>\n<p><strong>E =&gt; Events prior to incident:<\/strong> Die 35-j&auml;hrige Frau &nbsp;sei &nbsp;bis zuletzt normal der B&uuml;roarbeit nachgegangen. Abgesehen davon, dass vor etwa 4 Wochen die R&uuml;ckenschmerzen angefangen h&auml;tten, sei nichts weiter Au&szlig;ergew&ouml;hnliches passiert. Eine Schwangerschaft sei nicht sicher auszuschlie&szlig;en, aber eher unwahrscheinlich<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zus&auml;tzlich Erhebung der <u>Familienanamnese<\/u>: Die Mutter der Patientin ist an einem rupturierten Aortenaneurysma verstorben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Kontrolldiagnostik im Verlauf:<\/u><\/p>\n<p>Nochmalige Kontrolle des Blutdrucks , diesmal beidseitig gemessen:<\/p>\n<p>Seitengleicher Blutdruck um 85mmHg systolisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das n&auml;chstgelegene Krankenhaus mit neurologischer und internistischer Abteilung (ohne chirurgische Abteilung) liegt 2,5 km entfernt.<\/p>\n<p>Das n&auml;chstgelegene Klinikum der Maximalversorgung befindet sich in einer Entfernung von 36 km.,<\/p>\n<p>Die n&auml;chste Krankenhaus mit chirurgischer Abteilung (und zus&auml;tzlicher gyn&auml;kologisch-geburtshilflicher Abteilung) liegt in einer Entfernung von 17 km.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiteres Prozedere? &nbsp;<\/p>\n<p>(Arbeitsdiagnose? pr&auml;klinische Therapie? Zielklinik?)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><u>Fortsetzung <\/u><\/strong><strong><u>des Juni- Falls 2017<\/u><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man entschlie&szlig;t sich f&uuml;r einen schnellen Transport in die internistische Notaufnahme des nahegelegenen Krankenhauses mit telefonischem Arzt-zu Arzt-Gespr&auml;ch zur Voranmeldung.&nbsp; Nach Mitteilung der Vorgeschichte und des Befundes an den Diensthabenden wird auch die Vorbereitung einer notfallm&auml;&szlig;igen Ultraschall- oder CT-Diagnostik bereits angesprochen. Der Diensthabende Internist&nbsp; bittet daraufhin, direkt auf die Intensivstation zu fahren, wo n&ouml;tiges Material und Personal bereit stehe.<\/p>\n<p>W&auml;hrend des Transportes wird ein zweiter gro&szlig;lumiger i.v.-Zugang angelegt und eine VEL infundiert. In der Klinik erfolgt die detaillierte Schilderung von Anamnese, Befund und Verlauf an den diensthabenden Oberarzt der Intensivstation und den Internisten der Notaufnahme.<\/p>\n<p>Mangels Chirurgie kann leider kein chirurgischer Arzt der Untersuchung beiwohnen.&nbsp; Von Seiten des Rettungsteams wird angemerkt, dass neben der&nbsp; vom niedergelassenen Arzt ge&auml;u&szlig;erten Diagnose der anaphylaktischen Reaktion auch eine h&auml;morrhagisch bedingte Kreislaufdepression m&ouml;glich sei.<\/p>\n<p>Ein noch auf der Trage des Rettungsdienstes durchgef&uuml;hrter Ultraschall zeigt &nbsp;freie Fl&uuml;ssigkeit&nbsp; in der Mizloge. Ein sofortiger Weitertransport in eine Klinik mit Viszeralchirurgie und Gef&auml;&szlig;chirurgie wird eingeleitet. &nbsp;Der Hubschrauber kann zum Transport bei angebrochener Dunkelheit leider nicht mehr eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Z&uuml;gige Vorbereitung eines Urapidil-Perfusors , Mitgabe eines Erythrozytenkonzentrats sowie eines Beutel gefrorenes Frischplasmas. Innerhalb weniger Minuten ist der Weitertransport startfertig. Mit dieser Kombination (Kreislaufstabilisation, Erythrozyten-und Plasmaersatz)&nbsp; kann die Patientin auf niedrigem Niveau stabil gehalten werden und der Transport in das 30 Minuten entfernte Gro&szlig;klinikum akzeptabel durchgef&uuml;hrt werden .<\/p>\n<p>Diagnose ?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fall eingereicht von:<\/p>\n<p>Andre Volpert<br \/>\n\tRettungsassistent<br \/>\n\tFeuer- und Rettungswache D&uuml;lmen<br \/>\n\t&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alarmierungsmeldung: Alarmierungsmeldung um etwa 19:30 Uhr mit dem Stichwort &bdquo;Anaphylaktische Reaktion&ldquo; in einer kassen&auml;rztlicher Notfallpraxis. Obwohl die Praxis nur einen KTW anfordert entsendet die Leitstelle aufgrund der Beschreibung des Notfalles direkt RTW und NEF, welche zeitgleich eintreffen. 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