{"id":3277,"date":"2017-05-01T10:17:29","date_gmt":"2017-05-01T08:17:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.agnnw.de\/?p=3277"},"modified":"2021-01-01T12:06:33","modified_gmt":"2021-01-01T11:06:33","slug":"fall-des-monats-mai-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=3277","title":{"rendered":"Fall des Monats Mai 2017"},"content":{"rendered":"<p>Alarmierungsmeldung Samstagmorgen 4:00 Uhr:<\/p>\n<p>Altenheimbewohner in schlechtem Allgemeinzustand. Zunehmende Dyspnoe<\/p>\n<p>Eintreffen des NEF zeitgleich mit dem RTW 6 Minuten nach Alarmierung im Altenheim.<\/p>\n<p>Von der Nachtwache der Station wird darauf hingewiesen, dass sie aktuell nur Aushilfe auf der Station sei und sie daher von Vorgeschichte des Altenheimbewohners nur ungenaue Kenntnisse h&auml;tte.<\/p>\n<p>Das Stammblatt des 72-j&auml;hrigen Altenheimbewohners kann eingesehen werden.<\/p>\n<p>Laut Personenstammblatt ist bei dem Notfallpatienten ein Diabetes mellitus (nicht insulinpflichtig) bekannt. Weiterhin besteht eine koronare Herzkrankheit mit notwendiger 5-fach Stent-Implantation vor einigen Jahren. 6 Jahre zuvor habe der Versicherte einen cerebralen Insult erlitten mit nachfolgenden m&auml;&szlig;igen sensomotorischen Einschr&auml;nkungen der linken oberen und unteren Extremit&auml;t. Seit 2 Jahren sei nun eine rasch zunehmende demenzielle Entwicklung des 72-j&auml;hrigen Mannes zu beobachten mit mittlerweile nahezu aufgehobener Kommunikationsf&auml;higkeit. &nbsp;<\/p>\n<p>Im Vorjahr habe der Patient dann einen Hirnstamminfarkt erlitten mit daraufhin weitestgehender Bettl&auml;gerigkeit des 72-j&auml;hrigen Manns.<\/p>\n<p>Eine Betreuung des Patienten durch die Ehefrau sei eingerichtet worden. Auch eine &bdquo;standardisierte&ldquo; Patientenverf&uuml;gung ist erstellt worden. Aufgrund dieser Krankheitsentwicklung sei auch seit geraumer Zeit von einer Palliativsituation gesprochen worden.<\/p>\n<p>Eine palliativmedizinische Betreuung sei allerdings bisher noch nicht eingeleitet worden.<\/p>\n<p>Der 72-j&auml;hrige Mann wird seit 4 Wochen im hiesigen Altenheim pflegerisch versorgt. Bei Blasenentleerungsst&ouml;rung musste vor einigen Wochen ein Blasendauerkatheter angelegt werden<\/p>\n<p>Vor ca. 14 Tagen sei er auch f&uuml;r einige Tage im nahegelegenen Krankenhaus aufgenommen worden bei schlechtem Allgemeinzustand. Zu einer Mitbetreuung des Patienten auf der im Krankenhaus vorhandenen Palliativstation sei es allerdings nicht gekommen, da von Seiten der Ehefrau selbst gering stabilisierende Basisma&szlig;nahmen abgelehnt worden seien.<\/p>\n<p><u>Aktuelle Vorgeschichte:<\/u><\/p>\n<p>Nach Angaben der Nachtwache sei bereits am Nachmittag des Vortages eine deutliche Zustandsverschlechterung bei dem Altenheimbewohner erkennbar gewesen.<\/p>\n<p>Bei zunehmender Fieberentwicklung sei am Nachmittag der Hausarzt informiert worden, dieser habe ohne Heimbesuch fiebersenkende Ma&szlig;nahmen empfohlen. Nun ist in der zweiten Nachth&auml;lfte seit ca. 3 Stunden eine zunehmende Dyspnoe des<\/p>\n<p>Altenheimbewohners auff&auml;llig. Zu einer Kontrolle der Vitalparameter und eine Messung der K&ouml;rpertemperatur hatte die Nachtwache bei intensiver Arbeitsbelastung bisher noch keine Gelegenheit gehabt.<\/p>\n<p><u>K&ouml;rperlicher Untersuchungsbefund:<\/u><\/p>\n<p>Im Pflegebett liegt der 72-j&auml;hrige Heimbewohner in schlechtem Allgemeinzustand. es besteht eine deutlichere Dyspnoe und Tachypnoe mit h&ouml;rbaren Rasselger&auml;uschen.<\/p>\n<p>Der Patient hat die Augen ge&ouml;ffnet, kann aber nicht kommunizieren.<\/p>\n<p>Blutdruck 80\/60 mmHg Puls 135\/min Atemfrequenz 18 Sauerstoffs&auml;ttigung 85 %.<\/p>\n<p>K&ouml;rpertemperatur (mit dem Ohrthermometer gemessen): 39,7&deg;<\/p>\n<p>Der &uuml;ber den suprapubischen Blasenkatheter abgeleitete Urin zeigt eine tr&uuml;be und auch dunkle F&auml;rbung.<\/p>\n<p>Eine Bilanzierung der Einfuhr- und Ausfuhrmengen ist nicht erstellt worden<\/p>\n<p>Bei der Auskultation des Thorax werden mittel- bis grobblasige Rasselger&auml;usche &uuml;ber beiden Mittel und Unterfeldern festgestellt.<\/p>\n<p>Die Atemexkursionen sind flach.<\/p>\n<p>Im Pflegebericht der Altenpflegestation findet sich am Vorabend der Eintrag, wonach die Ehefrau des Patienten weitergehende Ma&szlig;nahmen zur Lebensverl&auml;ngerung ihres Mannes ausdr&uuml;cklich nicht gew&uuml;nscht habe.<\/p>\n<p>Unter Ber&uuml;cksichtigung der aktuellen Befundentwicklung weist der Notarzt die Nachtwache an, trotz der sp&auml;ten n&auml;chtlichen Stunde einen Telefonkontakt zur Ehefrau des Patienten herzustellen.<\/p>\n<p>Die Telefonverbindung kann daraufhin auch erfolgreich hergestellt werden.<\/p>\n<p>Der Notarzt schildert der Ehefrau die aktuelle Befundentwicklung ihres Mannes, die eine Weiterversorgung des 72-j&auml;hrigen Patienten im Altenheim seines Erachtens nach nicht mehr zulie&szlig;e.<\/p>\n<p>Die Ehefrau des Patienten teilt dem Notarzt am Telefon mit, dass sich unverz&uuml;glich auf den Weg ins Heim machen w&uuml;rde.<\/p>\n<p>Die Ehefrau trifft dann auch 10 Minuten sp&auml;ter im Altenheim ein.<\/p>\n<p>Der Notarzt erkl&auml;rt der Ehefrau, dass eine Stabilisierung des Zustandes ihres Mannes auf niedrigem Niveau und eine effektive Behandlung der drohenden Ateminsuffizienz bei erkennbarer Sepsis nur unter station&auml;rer Krankenhausverlaufskontrolle m&ouml;glich sei.<\/p>\n<p>Die Ehefrau des 72-j&auml;hrigen Patienten lehnt einen Transport ins Krankenhaus zun&auml;chst ab, kann aber dann (unter Hinweis auf einen qualvollen Verlauf einer Sepsis mit Ateminsuffizienz und auch m&ouml;glicher Urosepsis) doch noch von einer notwendigen Krankenhaustherapie &uuml;berzeugt werden. Sie m&ouml;chte allerdings&nbsp; &#8211; wenn&nbsp; &uuml;berhaupt &#8211;&nbsp; nur eine station&auml;re palliativmedizinische Weiterversorgung ihres Mannes.<\/p>\n<p>Die einzige Palliativstation nun im weiteren Umfeld des Einsatzortes wird daraufhin telefonisch vorinformiert. Die diensthabende Palliativmedizinerin lehnt aber die station&auml;re Aufnahme des Patienten ab, da sie keine freie Bettenkapazit&auml;t habe. Au&szlig;erdem sei&nbsp; ihr der Fall auch von vor 14 Tagen noch bekannt, wobei die Ehefrau &#8211; wie oben erw&auml;hnt &#8211; &nbsp;jegliche Therapie verweigert habe.<\/p>\n<p><u>Erstma&szlig;nahmen:<\/u><\/p>\n<p>Sauerstoffgabe &uuml;ber Maske.<\/p>\n<p>Die Anlage eines intraven&ouml;sen Zugangs zur Infusionstherapie wird von der Ehefrau abgelehnt.<\/p>\n<p>Blutdruck: 70\/50 mmHg Puls 132\/min<\/p>\n<p>Atemfrequenz 18<\/p>\n<p>Sauerstoffs&auml;ttigung unter Sauerstoffinsufflation von 4 l\/ Min 88 %.<\/p>\n<p>K&ouml;rpertemperatur (mit dem Ohrthermometer gemessen): 40,1&deg;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiteres Procedere?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dr. Gerrit M&uuml;ntefering<\/p>\n<p>Facharzt f&uuml;r Chirurgie\/Unfallchirurgie\/Notfallmedizin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alarmierungsmeldung Samstagmorgen 4:00 Uhr: Altenheimbewohner in schlechtem Allgemeinzustand. Zunehmende Dyspnoe Eintreffen des NEF zeitgleich mit dem RTW 6 Minuten nach Alarmierung im Altenheim. Von der Nachtwache der Station wird darauf hingewiesen, dass sie aktuell nur Aushilfe auf der Station sei und sie daher von Vorgeschichte des Altenheimbewohners nur ungenaue Kenntnisse h&auml;tte. 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