{"id":3251,"date":"2017-04-04T21:27:23","date_gmt":"2017-04-04T19:27:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.agnnw.de\/?p=3251"},"modified":"2021-01-01T12:06:56","modified_gmt":"2021-01-01T11:06:56","slug":"fall-des-montas-april-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=3251","title":{"rendered":"Fall des Monats April 2017"},"content":{"rendered":"<p>Einsatz Montagabend, 17:45 Uhr f&uuml;r den RTW,<\/p>\n<p><u>Alarmierungsmeldung:<\/u> Synkope in einem Hallenbad.<\/p>\n<p><u>Situation vor Ort:<\/u><\/p>\n<p>Die Besatzung des RTW findet in der Umkleidekabine einen 49j&auml;hrigen Mann vor. Andere Badeg&auml;ste h&auml;tten beobachtet, dass dieser in der Umkleidekabine zusammengesackt sei. Der Bademeister sei hinzugerufen worden, habe ein Handtuch unter den noch nassen Patienten gelegt und die Beine in &quot;Schocklage&quot; verbracht. Der Bademeister berichtet, dass der Patient verschwommen gesprochen, sich aber normal bewegt habe. Ein Krampfanfall sei weder von den Badeg&auml;sten noch vom Personal beobachtet worden. Der Patient konnte dem Bademeister noch etwas von Insulin und einem Messger&auml;t in seiner Tasche erz&auml;hlen, welches jedoch anschlie&szlig;end nicht gefunden wurde.<\/p>\n<p>Auf Verdacht war dem Patienten etwas Apfelsaft gereicht worden, er hatte einige Schlucke davon getrunken.<\/p>\n<p><u>Erstma&szlig;nahmen:<\/u><\/p>\n<p>Die RTW-Besatzung &uuml;bernimmt den Patienten unter der Verdachtsdiagnose einer Unterzuckerung bei Diabetes mellitus. Der von der RTW-Besatzung initial gemessene Blutzuckerwert betrug jedoch 131 mg\/dl, so dass diese Verdachtsdiagnose zun&auml;chst sich nicht best&auml;tigte.<\/p>\n<p>Beim entkleideten Patienten fiel auf, dass er eine Sternotomienarbe sowie eine Narbe am Unterschenkel hatte, was vom Rettungsdienstpersonal als Vorhandensein eines ACVB gedeutet wurde, was der Patient bejahte. Auffallend war zudem, dass seit Anwesenheit des Rettungsdienstes der Patient einzutr&uuml;ben schien, die Antworten wurden einsilbig, so dass daraufhin sofort der Notarzt nachalarmiert wurde.<\/p>\n<p>Bis zu dessen Eintreffen wurde von der RTW-Besatzung ein EKG mit Brustwandableitungen geschrieben, hier fand sich ein tachykarder Sinusrhythmus mit Frequenz von 128\/min ohne infarkttypische Ver&auml;nderungen. Der Blutdruck war leicht erniedrigt : 105\/60 mmHg. Die RTW-Besatzung hatte ahschlie&szlig;end frustran versucht, einen iv-Zugang zu etablieren, dabei konnte die BZ-Messung nochmals kontrolliert werden : Es fand sich mit 129 mg\/dl ein fast identischer Wert zum Vorbefund.<\/p>\n<p><u>Befund bei Eintreffen des Notarztes:<\/u><\/p>\n<p>Der Notarzt traf 7 Minuten nach Alarmierung ein. Er fand einen Patient mit einer nun kompletten Aphasie vor und deutlicher, seitengleicher Kraftminderung . Der Patient konnte Aufforderungen mit einer schwachen motorischen Antwort befolgen, jedoch dabei generelle Minderung der Kraft. Die Zunge konnte nur gering herausgestreckt werden. Es fand sich kein Zungenbi&szlig;, keine Deviation. Die Pupillen waren isokor, seitengleiche Licht- und Konvergenzreaktion. Babinski negativ. Auskultatorisch seitengleich bel&uuml;ftet, Herzt&ouml;ne rein, SO2 94%.<\/p>\n<p>Best&auml;tigung des unauff&auml;lligen EKGs durch den Notarzt,. Es wurde nun Sauerstoff &uuml;ber die Nasenbrille mit 4 l \/ Minute gegeben. Die orientierende k&ouml;rperliche Untersuchung war ebenfalls unauff&auml;llig. Der Patient erschien trotz seiner Aphasie orientiert, konnte durch Nicken und Kopfsch&uuml;tteln Fragen beantworten, verneinte zun&auml;chst Schmerzen und ein bekanntes Krampfleiden.<\/p>\n<p><u>Weitere pr&auml;klinische Therapie und Befundentwicklung:<\/u><\/p>\n<p>Da der Patient sich immer noch in Badebekleidung befand und auf dem Boden der Umkleider&auml;ume sichtlich fror, wurde er vor weiterer Diagnostik zeitnah in den RTW verbracht, dort aktive Heizung des Innenraumes und W&auml;rmeerhalt. Es konnte ein ven&ouml;ser Zugang 18 G am Unterarm etabliert werden. Da auch der Notarzt eine Unterzuckerung aufgrund dieser Befundkonstellation f&uuml;r m&ouml;glich hielt, erfolgte eine erneute Kontrolle mit dem BZ-Ger&auml;t des NEF, jedoch auch hier 128 mg\/dl.<\/p>\n<p>Unter fortgesetzter Sauerstoffgabe mit 4 l \/min stieg der SO2 auf 99% an. Weiter wurde &uuml;ber den Zugang eine kristalloide Infusionsl&ouml;sung infundiert, die im Verlauf gemessenen RR Werte waren nun normoton (125\/65 mmHg). Die Vigilanz des Patienten schien sich allerdings weiter zu verschlechtern, die Kraft nahm bei den not&auml;rztlichen Befundkontrollen weiter ab.<\/p>\n<p>Die &nbsp;Re-Evaluation im RTW&nbsp; ergab keine neuen Untersuchungserkenntnisse.<\/p>\n<p>Der Patient konnte&nbsp; trotz der Vigilanzminderung noch auf Ansprache reagieren und verneinte weiterhin Schmerzen durch leichtes Kopfsch&uuml;tteln, insbesondere Kopf- und Brustschmerzen w&uuml;rden nicht bestehen. Er best&auml;tigte diskret nickend den aorto-koronaren Bypa&szlig;. Ebenfalls konnte in der so erfragten Anamnese erhoben werden, dass er sich beim vorangegangenen Schwimmen stark k&ouml;rperlich angestrengt h&auml;tte, was er aber regelm&auml;&szlig;ig t&auml;te. Die im Ohr gemessene K&ouml;rpertemperatur betrug 36,2&deg;C.<\/p>\n<p>Frage :<\/p>\n<p>Welche Diagnose w&uuml;rden Sie stellen ?<\/p>\n<p>Welche Krankenhaus-Abteilung w&uuml;rden Sie ansteuern ?<\/p>\n<hr \/>\n<p>Teil 2<\/p>\n<p><u>Weiterer Verlauf und klinische Erstdiagnostik:<\/u><\/p>\n<p>Der Notarzt konnte in der Zusammenschau der Befunde keine sichere Diagnose stellen. Differentialdiagnostisch dachte er an einen Insult, eine Basilaristhrombose oder eine intrazerebrale Blutung nach k&ouml;rperlicher Anstrengung, so dass er die etwa 8 Minuten entfernt gelegene neurologische Klinik mit Sondersignal ansteuerte, die &uuml;ber die komplette Bildgebung und eine Stroke-Unit verf&uuml;gt.<\/p>\n<p>Der Transport verlief unauff&auml;llig.<\/p>\n<p>Bei der &Uuml;bergabe war der Patient in unver&auml;ndert schlechtem Status: kraftlos, Aphasie, jedoch scheinbar voll orientiert.<\/p>\n<p>Der neurologische Kollege &uuml;bernahm den Patienten, eine CCT und eine Angio-CCT zeigten keine pathologischen Befunde. Die Labordiagnostik wies ebenfalls keine Pathologika auf, die EKG-Kontrolle war auch nicht richtungsweisend.<\/p>\n<p>Welche Diagnose k&ouml;nnte unter Ber&uuml;cksichtigung der ersten apparativen Befunderhebung in der neurologischen Klinik infrage kommen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dr. Frank H&ouml;pken<\/p>\n<p>&Auml;rztlicher Leiter Rettungsdienst<\/p>\n<p>Kreis Wesel<\/p>\n<p>Dr. Frank H&ouml;pken<\/p>\n<p>&Auml;rztlicher Leiter Rettungsdienst<\/p>\n<p>Kreis Wesel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einsatz Montagabend, 17:45 Uhr f&uuml;r den RTW, Alarmierungsmeldung: Synkope in einem Hallenbad. Situation vor Ort: Die Besatzung des RTW findet in der Umkleidekabine einen 49j&auml;hrigen Mann vor. Andere Badeg&auml;ste h&auml;tten beobachtet, dass dieser in der Umkleidekabine zusammengesackt sei. 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