{"id":3200,"date":"2017-02-01T22:33:47","date_gmt":"2017-02-01T21:33:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.agnnw.de\/?p=3200"},"modified":"2021-01-01T12:07:47","modified_gmt":"2021-01-01T11:07:47","slug":"fall-des-monats-februar-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=3200","title":{"rendered":"Fall des Monats Februar 2017"},"content":{"rendered":"<p>Einsatz Montags Mitte Oktober, gegen 15 Uhr<\/p>\n<p>Einsatzstichwort: &quot;Nicht ansprechbare Person&quot;<\/p>\n<p><u>Situation vor Ort und eruierbare Vorgeschichte:<\/u><\/p>\n<p>Bei Eintreffen an der Einsatzstelle (vor einer B&auml;ckerei in einer mittelgro&szlig;en Stadt) wird der Patient (73-j&auml;hriger Mann) stehend&nbsp;in Begleitung von 2 &auml;lteren Damen wach und ansprechbar angetroffen. Es stellt sich heraus, dass alle drei Bewohner einer nahe gelegenen Seniorenresidenz sind und sich auf einem Spaziergang befanden. Der Patient sei dann vor der B&auml;ckerei kollabiert und dann mindestens &quot;einige Minuten&quot; bewusstlos gewesen. Soweit eruierbar kein Krampfereignis. Die weitere Anamnese gestaltet sich etwas schwierig, da die eine Dame an einer Demenz leidet und die andere Dame aufgrund der Aufregung nicht in der Lage ist, weitere Angaben zu machen (z.B. Vorerkrankungen des Mitbewohners ? Sonstige Auff&auml;lligkeiten im Vorfeld ?).<\/p>\n<p>Der RTW steht in unmittelbarer N&auml;he zum Einsatzort. Der Patient aber verweigert jegliche Untersuchung, erst recht wolle er den RTW nicht betreten. Pupillen isokor. Soweit erkennbar keine neurologischen Defizite. Der &auml;ltere Mann ist zu Ort und Person orientiert, allerdings nicht zur Zeit. Beide Damen k&ouml;nnen aber &uuml;bereinstimmend angeben, dass sich der Pat &quot;komisch&quot; verhalte.<\/p>\n<p>Trotz l&auml;ngerem und einf&uuml;hlsamen Gespr&auml;chs des Notarztes weiterhin Verweigerung des Patienten, sich zumindest einer Untersuchung zu unterziehen. Eine inhaltliche Begr&uuml;ndung f&uuml;r dieses ablehnende Verhalten bleibt allerdings aus. Nach etwa 10 Minuten dann Entschluss des Notarztes, seine Drohung, die Polizei hinzuzuziehen, in die Tat umzusetzen (&sect;34 STGB &ndash; Patient ist nach Ansicht des Notarztes nicht einwilligungsf&auml;hig und akut gef&auml;hrdet).<\/p>\n<p>Bei Eintreffen der Polizei dann Gesinnungs&auml;nderung des Patienten, der den RTW ohne weitere Anwendung von Gewalt &quot;freiwillig&quot; betritt. Pat l&auml;sst nun auch Diagnostik zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Befund der Erstuntersuchung:<\/u><\/p>\n<p>Bei der k&ouml;rperlichen Untersuchung leicht auff&auml;lliger pulmonaler Auskultationsbefund mit bds. basal verminderten Atemger&auml;uschen bei ansonsten vesikul&auml;rem Atemger&auml;usch. Atemfrequenz etwa 28\/min. Abdomen unauff&auml;llig. Cor tachykard, reine Herzt&ouml;ne . Weiterer Bodycheck dann unauff&auml;llig. Kein Einn&auml;ssen, kein Zungenbiss. Subjektiv keinerlei Beschwerden.&nbsp;<\/p>\n<p>EKG: Sinustachykardie mit 130 bpm, p-mitrale, inkompletter Rechtschenkelblock. Keine Isch&auml;miezeichen auch im Bereich der Vorderwand.<\/p>\n<p>SPO2 87%, RR 90\/65 mmHg. K&ouml;rpertemperatur 37,9 C<\/p>\n<p>Nach Anlage des ven&ouml;sen Zugang BZ 150 mg\/dl.<\/p>\n<p>Verdachtsdiagnose? Zielklinik ?<\/p>\n<p>Dr. Marcel Hennen<\/p>\n<p>(Mitglied der AGNNW)<\/p>\n<hr \/>\n<p>Teil 2<\/p>\n<p><u>Verlauf in der erst-angesteuerten Klinik :<\/u><\/p>\n<p>Bei V.a. Lungenarterienembolie erfolgt die Voranmeldung in dem nahegelegenen Krankenhaus mit kardiologischer Abteilung. Der diensthabende Internist bittet um Transfer in den internistischen Schockraum. W&auml;hrend des Transports wird der Patient zunehmend ruhiger (nach Ansicht des Notarztes &bdquo;auff&auml;llige&ldquo; Zustands&auml;nderung), aber dadurch nun gute F&uuml;hrbarkeit des Patienten. Unter 12 Liter O2 liegt die SPO2 bei 95%.&nbsp;<\/p>\n<p>Im Schockraum dann &quot;&Uuml;bergabe&quot; an den diensthabenden Kollegen. Zum Zeitpunkt der &Uuml;bergabe stellt sich heraus, dass das CT im Haus defekt ist und eine Bildgebung aktuell somit nicht m&ouml;glich ist. Alternativ wird noch im Schockraum eine Notfall-Echokardiographie durchgef&uuml;hrt. Hier zeigen sich keine Zeichen einer akuten Isch&auml;mie, jedoch deutliche Zeichen einer Rechtsherzbelastung. Der nun hinzugezogene Kardiologe bittet um eine Weiterverlegung in die n&auml;chstgelegene Klinik (Haus der Maximalversorgung) und empfiehlt bei &quot;eindeutigen Zeichen&quot; der Lungenarterienembolie &quot;dringend&quot; eine Thrombolyse noch w&auml;hrend der Fahrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem NEF ist vorhanden: Tenecteplase (Metalyse), Heparin<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiteres Vorgehen ?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einsatz Montags Mitte Oktober, gegen 15 Uhr Einsatzstichwort: &quot;Nicht ansprechbare Person&quot; Situation vor Ort und eruierbare Vorgeschichte: Bei Eintreffen an der Einsatzstelle (vor einer B&auml;ckerei in einer mittelgro&szlig;en Stadt) wird der Patient (73-j&auml;hriger Mann) stehend&nbsp;in Begleitung von 2 &auml;lteren Damen wach und ansprechbar angetroffen. 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