{"id":3100,"date":"2016-10-01T12:00:39","date_gmt":"2016-10-01T10:00:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.agnnw.de\/?p=3100"},"modified":"2021-01-01T12:08:26","modified_gmt":"2021-01-01T11:08:26","slug":"fall-des-monats-oktober-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=3100","title":{"rendered":"Fall des Monats Oktober 2016"},"content":{"rendered":"<p><u>Alarmierungsmeldung um 05:30 Uhr:<\/u><br \/>\n\tVerkehrsunfall mit Motorrad. Angabegem&auml;&szlig; starke Blutung beim Motorradfahrer.<\/p>\n<p><u>Anfahrt:<\/u><br \/>\n\tAm Einsatztag herrscht D&auml;mmerung und Nebel mit Sichtweiten bei knapp bei 50 Metern. Au&szlig;erdem nasskalte Witterung (Temperatur unter 10 Grad, leichter Nieselregen)<br \/>\n\tDer RTW trifft 7 Minuten nach Alarmierung am Unfallort an einer lang ausgezogenen Kurve einer Bundesstra&szlig;e ein. Das NEF trifft bei Anforderung aus dem Nachbarstandort erst 7 Minuten sp&auml;ter am Einsatzort ein.<\/p>\n<p><u>Situation an der Einsatzstelle: <\/u><br \/>\n\tAm Ende der ausgezogenen Kurve steht nahe des Mittelstreifens ein an der Fahrerseite links vorne stark besch&auml;digter PKW. &nbsp;Etwa 25 Meter weiter haben sich im Graben mehrere Personen ( gr&ouml;&szlig;tenteils Schaulustige ) versammelt. Der F&uuml;hrer des PKW&rsquo;s&nbsp; ist unverletzt und nimmt sofort Kontakt mit der RTW-Besatzung auf. Er berichtet &uuml;ber einen Frontalzusammensto&szlig; mit einem Motorrad. Der Motorradfahrer sei mitsamt Krad in Fahrtrichtung weiter geschleudert worden und im Graben gelandet.<br \/>\n\tDie Polizei ist mittlerweile auch vorort und l&ouml;st die Menge der Schaulustigen sofort auf und nimmt dabei 2 Smartphone-Filmer in Gewahrsam. Im Graben findet die RTW-Besatzung einen 22-j&auml;hrigen Kradfahrer. Etwa 5 Meter weiter liegt das Motorrad. Das Krad ist im Bereich der Frontverkleidung und des Vorderrads vollst&auml;ndig zerst&ouml;rt. Der Motorradhelm ist dem Unfallverletzten bereits von Ersthelfern (fraglich fachgerecht) abgenommen worden.<br \/>\n\tEs besteht eine starke Blutung im Bereich des in deutlicher Fehlstellung liegenden linken Unterschenkels und auch des rechten Oberschenkels.<\/p>\n<p><u>Erstbefund:<\/u><\/p>\n<p>Der Motorradfahrer ist noch ansprechbar, klagt &uuml;ber starke Schmerzen im Beinbereich. Der Unfallverletzte tr&auml;gt eine Motorradjacke mit Arm- und R&uuml;ckenprotektoren allerdings in Kombination mit einer Jeanshose. Soweit durch die Stoffhose beurteilbar besteht eines massives Trauma mit Fehstellung im proximalen Unterschenkeldrittel etwa handbreit unterhalb des Kniegelenks. Au&szlig;erdem besteht eine offene Oberschenkelfraktur rechts mit Knochendurchspie&szlig;ung durch die Jeanshose.<\/p>\n<p>Bei der Erstuntersuchung werden keine weiteren Verletzungen festgestellt, insbesondere keine Hinweise auf ein relevantes Thoraxtrauma, Bauchtrauma oder Wirbels&auml;ulentrauma.<\/p>\n<p>RR 120\/80 mmHg, HF 130 Schl&auml;ge pro Minute.<\/p>\n<p>Glasgow-Coma-Scale: 15 Punkte.<\/p>\n<p>Keine Hinweise f&uuml;r ein Sch&auml;delhirntrauma<br \/>\n\tPupillen isokor, Lichtreaktion bds. positiv.<\/p>\n<p>Keine Amnesie<\/p>\n<p>Erstmassnahmen:<br \/>\n\tNun ist auch der Notarzt vorort.<\/p>\n<p>Es erfolgt die Anlage von zwei gro&szlig;lumigen peripheren Zug&auml;ngen. Hier&uuml;ber werden prim&auml;r 1000 ml kristalloide Fl&uuml;ssigkeit infundiert. Die Analgesie wird mit Dormicum und Esketamin begonnen.<\/p>\n<p>Nach Aufschneiden der Jeanshose zeigt sich der linke Unterschenkel komplett abgetrennt, eine noch geringe Blutung am Unterschenkelstumpf kann durch einen Kompressionsverband mit Druckpolster gestillt werden. Das prophylaktisch angelegte Touniquet ist nicht erforderlich. Das Unterschenkelamputat wird ad&auml;quat gelagert. &nbsp;Am rechten Oberschenkel besteht eine III-gradig offene Fraktur.<\/p>\n<p>Auch die rechtsseitige Oberschenkelfraktur kann unter der eingeleiteten Analgosedierung&nbsp; einigerma&szlig;en achsengerecht reponiert werden. Die Durchspie&szlig;ungswunde wird steril abgedeckt .<\/p>\n<p>Der Motorradfahrer wird von der RTW-Besatzung mit Hilfestellung durch die Polizeibeamten auf das Spineboard mit Head-block gelagert.<\/p>\n<p>Nach Transfer in den RTW wird der Patient vom Notarzt nochmals ausf&uuml;hrlich untersucht. Es finden sich keine weiteren Verletzungen.<br \/>\n\tDer Patient wird nun zur suffizienten weiteren Analgesie intubiert (Dormicum, Esketamin) und anschie&szlig;end kontrolliert beatmet (SpO2 99%). Weiterer Volumenersatz.<\/p>\n<p>Im RTW sofortige W&auml;rmeapplikation.<\/p>\n<p>Die Leitstelle wird beauftragt, einen Platz in einer Gef&auml;&szlig;- und Unfallchirurgischen Klinik zu organisieren.<\/p>\n<p>Ein RTH-Transport kommt witterungsbedingt bei Nebel nicht infrage.<\/p>\n<p>Die n&auml;chste den Anforderungen des Notarztes entsprechende Klinik befindet sich in ca. 45 km Entfernung (Fahrzeit mit Sondersignal bei Nebel mindestens 50 Minuten).<\/p>\n<p>Klinken der Grundversorgung sind in 15 Minuten erreichbar.<\/p>\n<p>Eine Klinik mit Unfallchirurgischer Abteilung und Erreichbarkeit in 30 Minuten teilt mit, dass ihre CT-Anlage im vorangegangenen Nachtbetrieb kurzzeitige St&ouml;rungen gezeigt h&auml;tte und nicht sicher einsetzbar w&auml;re.<\/p>\n<p>Der Blutdruck des Unfallverletzten liegt zwischenzeitlich bei 95\/70 mmHg, kann aber auf knapp &uuml;ber 100 mmHg systolisch angehoben werden.&nbsp; Die HF bei 120 Schl&auml;gen pro Minute.<\/p>\n<p>Weiteres Procedere ?<\/p>\n<p><a href=\"mailto:muentefering@agnnw.de\">Dr. Gerrit M&uuml;ntefering<\/a><\/p>\n<p>Chirurgie&nbsp;&nbsp;\/ Unfallchirurgie \/ Notfallmedizin<br \/>\n\tLessingstr. 26<br \/>\n\t47445 Moers<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alarmierungsmeldung um 05:30 Uhr: Verkehrsunfall mit Motorrad. 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