{"id":1090,"date":"2014-03-01T13:20:39","date_gmt":"2014-03-01T12:20:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.agnnw.de\/?p=1090"},"modified":"2021-01-01T12:11:59","modified_gmt":"2021-01-01T11:11:59","slug":"fall-des-monats-maerz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.agnnw.de\/?p=1090","title":{"rendered":"Fall des Monats M\u00e4rz 2014"},"content":{"rendered":"<p>Alarmierungsmeldung 16:30 Uhr:<\/p>\n<p>Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person. Ein beteiligtes Fahrzeug.<\/p>\n<p>Eintreffzeitpunkt des NEF ca. 7 Minuten nach Alarmierung<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Situation an der Einsatzstelle (Landstra&szlig;e, die durch ein Waldst&uuml;ck verl&auml;uft):<\/p>\n<p>Ein Mittelklasse-PKW&nbsp; ist am Ende einer engen Kurve von der Fahrbahn&nbsp; abgekommen und mit der Fahrzeugseite (Fahrerseite) in H&ouml;he der Fahrert&uuml;r bzw. des Seitenholms gegen einen Baum geprallt. Durch den Anprall erhebliche Impression und Verformung der Fahrgastzelle in H&ouml;he des linken Seitenholms und auch im Fu&szlig;raum- bzw. Pedalbereich der Fahrerseite.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im PKW befinden sich 2 j&uuml;ngere M&auml;nner: Der 20-j&auml;hrige PKW-F&uuml;hrer und ein<br \/>\n\t18-j&auml;hriger Beifahrer im nicht deformierten Fondbereich des Wagens.<\/p>\n<p>Der auf dem R&uuml;cksitz befindliche Jugendliche ist unverletzt, da er zum Zeitpunkt<br \/>\n\tdes Unfalls nicht an der Anprallseite, sondern rechts hinten gesessen hatte.<\/p>\n<p>Der 18-j&auml;hrige Beifahrer versucht, den blutenden Kopf seines nicht mehr ansprechbaren Freundes zu stabilisieren, was durch die Unruhephasen des verletzten Jugendlichen erschwert ist.<\/p>\n<p>Durch die deutliche Verformung der Fahrgastzelle und des Fu&szlig;raums ist der Fahrer des PKW&rsquo;s mit beiden Unterschenkeln im Pedalbereich zwar straff fixiert, aber nicht eingeklemmt. Vom Beifahrersitz her ist der Rumpf und rechte Arm des verletzten Fahrers recht gut&nbsp; erreichbar. Der Kopf des Fahrers ist allerdings durch die Impression des Fahrzeugdaches und Seitenholms schwerer zug&auml;nglich.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erstbefund:<\/p>\n<p>Der PKW-F&uuml;hrer erlitt durch den Anprall ein Sch&auml;deltrauma mit m&auml;&szlig;igen Blutungen im linksseitigen Stirn- und Schl&auml;fenbereich. Keine Blutung aus Nase oder Ohr. Palpatorisch orientierend keine Instabilit&auml;t des kn&ouml;chernen Sch&auml;dels.<\/p>\n<p>Der Jugendliche ist bewusstseinsgetr&uuml;bt und reagiert nicht auf Ansprache. Die Pr&uuml;fung der Pupillenreaktion ist erschwert m&ouml;glich :Pupillengr&ouml;&szlig;e rechts diskret weiter als links. Lichtreaktion beider Pupillen jedoch vorhanden.&nbsp;<\/p>\n<p>Der Verletzte gibt zeitweilig W&ouml;rter ohne situativen Zusammenhang von sich.&nbsp;<\/p>\n<p>Allerdings sind auch kurze Phasen erkennbar, in denen der Patient scheinbar leicht aufklart. In diesen Phasen treten dann Unruhezust&auml;nde auf mit Abwehrbewegungen der oberen und unteren Extremit&auml;t .<\/p>\n<p>Der verletzte Jugendliche reagiert bei der Erstversorgung auf st&auml;rkere Ber&uuml;hrung und Schmerzreize der Arme mit gerichteten Bewegungen. ( z.B. Handr&uuml;ckenpunktion bei der Anlage des i.v.-Zugangs)<\/p>\n<p>GCS =&nbsp; 8 Punkte<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die weitere Untersuchung des PKW-F&uuml;hrers ergibt keine Hinweise auf ein schwerwiegendes Thoraxtrauma bei seitengleichen Atemexkursionen bds.<\/p>\n<p>Abdomen weich, nicht aufgetrieben.<\/p>\n<p>Becken, Oberschenkel- und Unterschenkeletage ohne Instabilit&auml;t oder Deformit&auml;t, keine Krepitationen im Becken-Beinbereich sp&uuml;rbar. Durch vorsichtige Mobilisierungsversuche der beiden Unterschenkel zeigt sich, dass keine gravierende Einklemmung beider Beine vorliegt, die den Einsatz von Stemm- oder Spreizwerkzeugen notwendig macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aufgrund des offensichtlich h&ouml;hergradigen Sch&auml;del-Hirntraumas wird zeitnah der Rettungshubschrauber nachgefordert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erstbehandlung:<\/p>\n<p>Sofortige Anlage einer Zervikalst&uuml;tze.<\/p>\n<p>Kontrolle der Vitalparameter:&nbsp; RR syst. 100 -110 mm Hg.<\/p>\n<p>Anlage zweier gro&szlig;lumiger intraven&ouml;ser Zug&auml;nge an beiden Unterarmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aufgrund einer dann eintretenden hypotonen Kreislaufentwicklung&nbsp;<\/p>\n<p>(RR syst. 90 &ndash;100 mm Hg ) Entschluss zur raschen Bergung des Verletzten. Nach R&uuml;cksprache mit der Feuerwehr ist die Bergung des Jugendlichen &uuml;ber die Beifahrerseite nach Sitzlehnenentfernung technisch machbar.<\/p>\n<p>Zur Bergung werden 5 mg&nbsp; Midazolam und 50 mg Ketamin intraven&ouml;s injiziert.<\/p>\n<p>( Anmerkung: Aufgrund der hier erkennbaren zunehmend hypotonen Kreislauflage wurde trotz vorliegendem SHT Ketamin appliziert).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Rettung des PKW-Fahrers gelingt unter stabilisierendem Hilfsmitteleinsatz und vielen Helfern erfreulicherweise problemlos. Anschlie&szlig;end stabilisierende Lagerung des Verletzten auf einer Vakuummatratze.<\/p>\n<p>RR-Messung: RR= 100 -110 \/ 60 mm Hg.<\/p>\n<p>Pulsoxymetrie- und EKG-Ableitung : Puls 105 \/ Min ,&nbsp; SaO2 90 % bei Gabe von 4 Litern Sauerstoff &uuml;ber Nasensonde.<\/p>\n<p>Weiterhin gerichtete Reaktion auf Ber&uuml;hrungs- und Schmerzreiz im Arm- und Beinbereich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aufgrund der weiterhin bestehenden Bewusstseinstr&uuml;bung&nbsp; und aufgrund der unver&auml;ndert erkennbaren Pupillendifferenz ( rechts weiter als links) erfolgt der Entschluss zur Narkoseeinleitung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei gesch&auml;tztem K&ouml;rpergewicht des Patienten von 75&nbsp; &#8211; 80 Kg&nbsp; werden zur Narkoseeinleitung 10 mg Midazolam und 150 mg Ketamin intraven&ouml;s injiziert (unter Ber&uuml;cksichtigung der o.g. Analgosedierung beim Bergungsman&ouml;ver).<\/p>\n<p>Nach erfolgter Gabe dieser Medikation bleiben die Kreislaufparameter und die Sauerstoffs&auml;ttigung im zufriedenstellendem Bereich.<\/p>\n<p>Die Mund&ouml;ffnung&nbsp; und das Einf&uuml;hren des Laryngoskops ist ohne Abwehrreaktion oder W&uuml;rgereiz m&ouml;glich. Die Sicht auf die Stimmbandebene ist jedoch durch eine m&auml;&szlig;ige pharyngeale Blutung erschwert ( Blutungsquelle aus Nasopharynx-Etage). Es mu&szlig; wiederholt abgesaugt werden. Au&szlig;erdem erscheint der vorhandene Macintosh-Spatel Gr&ouml;&szlig;e 4 bei &bdquo;Langhals-Syndrom&ldquo; nur bedingt geeignet f&uuml;r ausreichende Sichtverh&auml;ltnisse.<\/p>\n<p>Es kommt zur Entwicklung eines Laryngospasmus mit der hierf&uuml;r typischen abdominell pendelnden Gegenatmung bei Stimmritzenverschluss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur suffizienten Oxygenierung des Verletzten wird nach kurzem nochmaligen Absaugen sofort maskenbeatmet. Die Maskenbeatmung ist problemlos durchf&uuml;hrbar (ohne spasmusbedingten Widerstand). Unter Maskenbeatmung liegen die Sauerstoffs&auml;ttigungswerte und die Blutdruckwerte erneut im zufriedenstellendem &nbsp;Bereich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur Erg&auml;nzung der Narkose-Medikation werden nun 20 mg Etomidat i.v. injiziert.<\/p>\n<p>Bei der zweiten Laryngoskopie, die wiederum ohne W&uuml;rgereiz begonnen werden kann , m&uuml;ssen nochmals Blutkoagel im Hypopharynxbereich abgesaugt werden.<\/p>\n<p>Trotz der erfolgten Erg&auml;nzung der Narkosemedikation&nbsp; kommt es erneut zur Ausbildung eines Laryngospasmus ( Reizwirkung der pharyngealen Blutung ??)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daraufhin kurzes Absaugen und rasche Wiederaufnahme der Maskenbeatmung.&nbsp;<\/p>\n<p>Unter Maskenbeatmung werden erneut zufriedenstellende Sauerstoffs&auml;ttigungswerte und Blutdruckwerte gemessen. Rosiger Aspekt der Gesichts- und Extremit&auml;tenhaut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abgefragter Eintreffzeitpunkt des Rettungshubschraubers in ca. 3 &#8211; 5 Minuten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was w&uuml;rden Sie nun tun ?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alarmierungsmeldung 16:30 Uhr: Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person. Ein beteiligtes Fahrzeug. 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