Einsatzmeldung ( Freitag-Nachmittag im Juni ): Patient in psychiatrischer Klinik mit V.a. Wespenstich im Mundbereich
Erst-Informationen bei Eintreffen in der Klinik: NEF und NAW treffen 7 Minuten nach Alarmierung an der Klinikpforte ein.
Der diensthabende Psychiater berichtet, dass er vor ca. 30 Minuten vom Stationspersonal zu einem 60-jährigen Patienten der Nachbarstation gerufen wurde.
Er kenne den Patienten bisher nur oberflächlich von der Chefarzt-Visite. Bei dem Patienten besteht eine ausgeprägte katatone Psychose mit angabegemäß fast aufgehobener Kommunikationsfähigkeit. Unter der bisherigen neuroleptischen Medikation, die in den vergangenen 2 Wochen aufdosiert wurde, ist bisher keine nennenswerte Zustandsbesserung eingetreten. Der Stationspfleger berichtet, dass vor 2 Tagen ein internistischer Konsiliararzt aufgrund von Kreislaufproblemen hinzugezogen werden musste, der die hausärztliche Medikation umgestellt hatte. Seitdem seien die Blutdruckwerte deutlich besser mit weniger Schwankungen / teilweise sogar leicht hypoton gewesen. Die Patientenakte sei aktuell zur Vorbereitung der geplanten Patiententeilnahme an einer neuroleptischen Medikamentenstudie beim Oberarzt der Klinik im Nachbargebäude.
Dem Stationspfleger war nun beim Rundgang eine Schwellung im Mund-/ Zungenbereich des 60-jährigen Patienten aufgefallen. Eine Befragung des Patienten zum aktuellen Hergang dieses Schwellungszustands ist nicht möglich. Ein Zimmernachbar habe dann aber berichtet, dass bei der nachmittäglichen Zwischenmahlzeit mit Kuchen mehrer Wespen im Zimmer gewesen wären.
Erstbefund: Bei dem 60-jährigen Patienten zeigt sich eine deutlichere Schwellung der mit dem vorderen Drittel aus dem Mund ragenden Zunge (linksbetont). Die Zunge ist schwellungsbedingt nicht mehr in die Mundhöhle reponibel.
Leicht vermehrte Schleimhautrötung an den Zungenflanken. Lokale Schwellungen oder ein verbliebener Wespenstachel sind im Zungenbereich nicht erkennbar.
Bei der Betrachtung des übrigen Integuments sind keine Hautrötungen erkennbar.
Eine Kommunikation mit dem Patienten sei laut Klinikpersonal bereits bei Klinikaufnahme nahezu unmöglich gewesen aufgrund der katatonen Grunderkrankung.
Atemnot , Zyanose bestehen nicht , Schluckstörungen sind nicht prüfbar.
Der Puls des Patienten sei hochfrequent gewesen bei90 -100 / Min.
RR 110 / 60 mmHg. Sauerstoffsättigung liegt bei 91- 93 %.
Erstbehandlung: Anlage eines venösen Zugangs. Infusion mit Ringer-Lsg. Der Blutdruck liegt nun bei 110 / 70 mmHg. Pulsoxymetrie: SaO2 liegt bei 94 % unter Sauerstoffgabe von 4l / min.
Weiteres Procedere ? Medikation ? Zielklinik ?
zur Diskussion Eingereicht von:
Dr. Gerrit Müntefering Arzt für Chirurgie / Unfallchirugie / Notfallmedizin Lessingstr. 26 47445 Moers