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Milzbrand-Infektionen bei Heroinkonsumenten

Das Robert-Koch-Institut (RKI) informierte aktuell über einen zweiten Fall von Hautmilzbrand bei einem Heroinkonsumenten in der Städteregion Aachen. Im Dezember des  vergangenen Jahres war ein 42jähriger mit nachgewiesener Bacillus anthracis – Infektion im Multiorganversagen gestorben. Der aktuell Erkrankte ist den Angaben zu Folge unter antibiotischer Therapie in klinisch stabilem Zustand. Eine größere Zahl von Milzbrandinfektionen nach intravenösem Heroinabusus mit einer Letalität von 30% wurde in den zurückliegenden Monaten aus England und insbesondere aus Schottland bekannt. Es wird angenommen, dass die Infektionen auf mit Anthrax-Sporen verunreinigtes Heroin zurück gehen. Ob die Fälle in Großbritannien und in Deutschland mit einer identischen Heroin-Quelle in Zusammenhang stehen, ist bisher nicht eindeutig belegt, aber möglich. Kontaminiertes Heroin könnte weiter im Umlauf sein.

Bei entsprechender Anamnese und klinischem Bild sollte daher die Diagnose Milzbrand differenzialdiagnostisch frühzeitig in Erwägung gezogen werden und schon bei Verdacht durch gezielte Probenentnahme und mikrobiologische Untersuchung bestätigt  oder ausgeschlossen werden. Die Prognose der Infektion kann durch eine frühzeitige gezielte Antibiotikatherapie deutlich verbessert werden. Aufgrund des möglicherweise überregionalen und internationalen Interesses bittet das RKI um umgehende Benachrichtigung. Es wird darauf verwiesen, dass Erkrankung oder Tod durch Milzbrand bereits im Verdachtsfall namentlich meldepflichtig gegenüber dem örtlichen Gesundheitsamt ist. Die Meldepflicht erstreckt sich im Hinblick auf den neuerlichen Krankheitsfall unter Umständen auch auf unklare Infektions- oder Todesfälle im Zeitraum seit Dezember 2009 bei entsprechenden Patienten.

Der letzte Fall von Milzbrand bei einem Menschen in Deutschland vor Dezember 2009 wurde 1994 gemeldet. Der häufigste Infektionsweg ist über Hautkontakt zu an Milzbrand erkrankten bzw. verendeten Tieren oder zu kontaminierten tierischen Rohstoffen wie z. B. Fellen, an denen Sporen des Erregers haften. Die Folge ist in 95% der Fälle Hautmilzbrand, der mit Antibiotika gut behandelbar ist. Voraussetzung für eine Milzbrandinfektion der Haut sind bereits vorhandene Hautverletzungen. Die intakte Haut wird nicht durchdrungen. I.v.-Drogenkonsumenten sind gefährdet, wenn die injizierten Substanzen mit Milzbrandsporen aus der Umwelt kontaminiert sind.

Im Umgang mit Hautmilzbrand-infizierten Patienten müssen  Hygienemaßnahmen (Handschuhe) berücksichtigt werden, auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung gering ist. Eine Isolation der Patienten ist nicht erforderlich.

Beim Hautmilzbrand bildet sich 1-7 Tage nach Exposition eine stark infiltrierte, schmerzlose Papel, die sich 2-6 Tage später zu einer mit schwarzem Schorf bedeckten, meist schmerzlosen Ulzeration weiterentwickelt. Im Verlauf kann es zu einer schmerzhaften Lymphangitis mit starkem Ödem bis hin zu Kompartmentsyndrom, Weichteilnekrosen, Sepsis und Multiorganversagen kommen.

Weitere Informationen zu Milzbrand, auch zu den selteneren Formen des Darm- und Lungenmilzbrandes, auf der Homepage des RKI:

http://www.rki.de/cln_160/nn_460940/DE/Content/Infekt/Biosicherheit/Erreger/dl__anthrax.html

 
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